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Wolfgang Hohlbein: Die Chronik der Unsterblichen.
Bände 1 bis 5:
Am Abgrund.
' Der Vampyr.
Der Todesstoß.
Der Untergang.
Die Wiederkehr
Köln: vgs 1999-2003
je 109 Seiten
je € 21,10 bzw. 23,60

 

Cover Die Chronik der Unsterblichen

 

Band 6: "Die Blutgräfin" erscheint im Februar 2004.

Eine Leseprobe findet sich auf der Homepage von Wolfgang Hohlbein sowie auf der Hompage des Verlages vgs

 

 

Über ein Hohlbein-Leseerlebnis schreiben - bei dem Gesamtwerk des Deutschen keine leichte Entscheidung, aber der Blutsauger-Fan in mir hat schnell etwas gefunden: Wolfgang Hohlbein, Vielschreiber der modernen Fantasy-Literatur, hat auch in Sachen Vampire etwas zu bieten. In der Serie "Chronik der Unsterblichen" - bis jetzt sind fünf Bände erschienen - führt er Lesende in die dunkle Welt des 15. Jahrhunderts.

Hohlbeins Protagonist Andrej versucht auf einer Reise durch Europa, Licht in die Schatten seines Daseins zu bringen: Er ist älter als er aussieht, wird nie krank und seine Wunden heilen wie von selbst. Das alles wird ihm aber erst nach und nach klar, so wie seine Kräfte sich von Band zu Band steigern. Hohlbeins Inszenierung unterscheidet sich deutlich von Anne Rice oder Bram Stocker: nicht ein Biss macht Andrej zum Vampir, er steckt von Anfang an in ihm. Vampirismus ist bei Hohlbein angeboren, eine Krankheit in der Jugend weckt schließlich den Vampir im Menschen, wobei diese Bezeichnung selbst erst im zweiten Band das erste Mal ausgesprochen wird.

Das ist auch schon das Außergewöhnlichste des ersten Bandes, der sonst mit durchschnittlich spannenden Abenteuer-Versatzstücken wie Schwertkämpfen und ein wenig Erotik eine erfahrene Fantasy-Leserin kaum fesseln kann, schließlich kommen auch Verweise auf andere phantastische Texte nur selten vor. Erst als Andrej am Ende einen der Seinigen tötet und dessen Kräfte in sich auf-nimmt, kommt die Vampir-Geschichte richtig ins Laufen.

Im zweiten Band steigert sich Hohlbein immens, vor allem durch die Einführung einer neuen Figur: Der Nubier Abu Dun bedient als Pirat/Sklavenhändler zwar platte Muselmanen-Klischees, aber die Dialoge gewinnen deutlich an Qualität. In einem zweiten geschickten und auch für Vampir-Fans überraschenden Einfall führt Hohlbein Andrejs Geschichte mit der des berühmtesten Vampirs der Welt zusammen: Die Reisenden bekämpfen den Blutfürsten Vlad Dracul, hier erfindet Hohlbein eine mögliche Herkunft von Dracula.

Auch die historische Dimension der Handlung gewinnt erst im zweiten Band an Konturen: Die beginnenden Türkenkriege im Osten bieten eine großartige Hintergrundkulisse für den persönlichen Kampf Andrejs gegen seine gefährlichen Artgenossen, noch fulminanter fortgeführt im fünften Teil. Immer wieder nimmt Hohlbein auch Bezug auf die römische Inquisition, die Europa in Angst und Schrecken versetzt. Regelmäßig erscheinen zwielichtige Priester-Gestalten, die Andrej in neue Abenteuer verstricken. Hier wird auch das erzählerische Konzept Holhbeins deutlich: In jedem weiteren Band fügt er mit einer Figur oder einem Motiv ein neues Versatzstück aus der Tradition phantastischen Erzählens hinzu: Werwölfe, Zigeuner oder einen dunklen Wiener Medicus.


Eingebettet in diese historische Welt, nur begleitet von seinem sarkastischen Freund Abu Dun, sucht Andrej Antworten auf viele Fragen, weiß er doch selbst nicht, warum er ein Vampir wurde. So wie Rices Vampire leidet auch er unter der Last seiner Unsterblichkeit und versucht, den Grund seines Daseins zu finden. Immer scheitert er, alle, denen er Vertrauen entgegen bringt, enttäuschen ihn und wollen ihm ans Leben.

Aber im Gegensatz zu Rices "Chronik der Vampire" passiert bei Hohlbein sehr viel mehr. Action kommt nicht zu kurz, schließlich will Hohlbein seine Leser mit Abenteuern fesseln und nicht mit Psychologie. Literarisches Gefühl kommt aber eher in den Szenen auf, in denen  Andrej Informationen über sein Dasein bekommt und mit anderen Vertretern seiner Art konfrontiert wird, die allesamt dämonischer und gefährlicher wirken als er selbst.

Austauschbar sind auch die Frauengeschichten - auf keiner Ebene wird Andrej Glück gegönnt. Hohlbein zeichnet ihn mehr und mehr als Ausgestoßenen in zwei Welten - zu den Menschen kann er sich spätestens im dritten Teil nicht mehr zählen, wenn die Bestie in ihm erwacht, und auch bei den Vampiren schlägt ihm Gefahr und Ablehnung entgegen. Hohlbein spitzt Andrejs Schicksal auf die Frage hin zu, ob er nun auch ein dämonischer Killer werden wird, oder ob er dem Dämon in sich widerstehen kann. Allein Textstellen, die diesen Konflikt verdeutlichen, überzeugen den lesenden Vampir-Fan.

Von einer geübten Leserin ist ein Band (ca. 400 Seiten) schnell gelesen, die Spannung wird auf einem mittleren Level durchgehalten. Insgesamt steigert sich Hohlbein und Andrejs Schicksal wird immer deutlicher. Für Fantasy-Fans aller Arten ist also auf jeden Fall etwas dabei, ob man nun wuchtige Schwertkämpfe, hässliche Kreaturen oder leise lauerndes Böses vorzieht.

Noch ist die Reise Andrejs nichts vorbei, Band sechs mit dem Titel "Die Blutgräfin" wird ihn 2004 wieder zurück zu Dracula führen. Man darf garantiert gespannt sein - ich werde weiter lesen.

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Kathrin Steinberger studiert Literaturwissenschaft, Germanistik und Theaterwissenschaft in Wien, arbeitet bei einer Wiener Filmfirma und macht nebenbei Versuche als Autorin - die im vergangenen Jahr mit dem Dixi-Kinderliteratur-Preis gewürdigt wurden.
Im übrigen liest sie quer durch den Gemüsegarten

 

 

 

 

Die offizielle Wolfgang Hohlbein Homepage

 

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