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Cover 1001Buch 3/03 Beitrag aus: 1000 und 1 Buch 1|04

 

 

Das Elfenportal
356 Seiten, dtv 2003 (Deutsche Erstausgabe), ISBN 3-423-24374-0

Der junge Henry und der alte Fogarty sind ein gutes Team. Doch erst macht Henry die drohende Trennung der Eltern Sorgen, und dann verbieten sie ihrem Sohn auch noch den Umgang mit dem kuriosen Alten. Dabei hat Fogarty Henrys Hilfe mehr als nötig, weil in seinem Garten versehentlich der Elfenprinz Pyrgus Malvae gelandet ist. Abgesehen davon, dass der beim Transfer aus dem Elfenreich auf Schmetterlingsgröße verkleinert wurde, steht es auch um das Elfenreich nicht gut: Die bösartigen Elfen der Nacht möchten den seit Jahrhunderten herrschenden Purpurkaiser der Lichtelfen stürzen und das Elfenreich erobern. Der schrullige Fogarty bastelt mit Henrys Hilfe ein Portal, mit der Pyrgus wohlbehalten zurück ins Elfenreich kommen soll. Und weil das alles nicht so funktioniert wie es sollte, müssen auch Henry und Fogarty hinüber ins Elfenreich. Dort gehen die Abenteuer weiter.
Der rasante, eloquent geschriebene und ebenso fantastische wie humorvolle Roman verbindet die eigensinnige Schilderung der realen Welt mit dem großartigen Entwurf der keineswegs heilen Elfenwelt. Das Elfenportal steckt voller abenteuerlich-burlesker Geschichten und skurriler Ideen.



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Elfenquatsch
Illustriert von Ross Collings

138 Seiten, dtv junior 2003 (Deutsche Erstausgabe), ISBN 3-423-70811-5, Lesealter: von 8-99

Herbie Brennan hat Respekt vor der Elfenwelt. Er steht ihr vielleicht staunend, aber keinesfalls unterwürfig gegenüber. Deshalb stattet er sie üppig mit realistischen Elementen aus ­ und die machen sich auch in der phantastischen Welt gut. In Brennans Zauberreich ist nicht alles perfekt, den guten wie den bösen Wesen geht so mancher Zauber in die Hosen. Dieses gesunde Verhältnis zu den übersinnlichen Wesen ermöglicht ihm auch einen Zugang, den kaum kein anderer Fantasy-Autor pflegt. In “Elfenquatsch³ ­ einem All-Age-Buch, das als solches nicht deklariert ist ­ macht er in bester Monty-Python-Manier erstklassigen Nonsens. Der kleine Elf Nur Grecht jagt versehentlich seine Hütte in die Luft und löst dadurch eine absurde Kettenreaktion aus, mit der er die böse Witwe Buhiss um ihre Aktien bringt. Das ist erst der Anfang der Geschichte, an deren Ende Nur Grecht einige Abenteuern erlebt und die von der Witwe Buhiss entführte britische Königin aus Gefangenschaft befreit hat. Brennan vermischt in “Elfenquatsch³ die beiden Welten ohne die sonst üblichen Übertrittsrituale und lässt seine Helden in vielen slapstickartigen Situationen aufeinander prallen. Da sind die Bösen trottelig gemein, die Guten trottelig einfältig und die britische Königin ­ wie Aristokraten eben sind ­ so trottelig weltfremd wie die Ameisenkönigin. Dazu erfindet Brennan nur schwer zu übersetzende Wortspiele. Im Original etwa heißt der Titelheld Fairy Nuff. Das ist gleichzeitig die Verballhornung von “fair enough³ und der Hinweis auf die Elfenwelt, was Brennan allerlei Wortschabernack erlaubt. Vom “Irish Independent³ nicht zu unrecht als “rundweg zum Totlachen ­ ein Glücksfall für Kinder und Eltern³ bewertet, wird “Elfenquatsch³ bei uns vor allem die Liebhaber des britischen Humors erfreuen.

 

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Herbie Brennan lebt in den verschiedensten Welten, und manche davon werden uns immer verschlossen bleiben. Doch in dem irischen Autor haben wir einen hervorragenden Berichterstatter. Denn verschwiegene, verwunschene, verheimlichte oder verleugnete Welten und Phänomene sind die Themen fast aller seiner zahlreichen Bücher. Die spielen ganz selbstverständlich im Elfenreich und handeln vom versunkenen Atlantis genauso wie von Wiedergeburt, Zeitreisen oder Parapsychologie.
Dabei sieht Brennan aus wie einer, der mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht. Wie ein gemütlicher Großvater, gütig, verschmitzt – und wissend. Denn während er einerseits die kuriosesten Phantastereien ausheckt und unsere Realität gründlich in Frage stellt, setzt er sich gleichzeitig mit Quantenphysik auseinander.
Aber auch da, schränkt er ein, ist eine gute Portion Vorstellungskraft genau so wichtig wie die Mathematik, ob Sie es glauben oder nicht.
Und die Mischung von Realitätssinn und abgedrehter Fantasie zeichnet zum Beispiel auch seinen großen Roman "Das Elfenportal" aus. Er beschreibt mit den Familienproblemen seines Protagonisten Henry handfeste Realität, die er überraschenderweise auch in seinen schillernden Fantasiewelten nie ganz aus den Augen verliert.

Kindheit in Nordirland
Selbst wenn er wie viele andere neben Märchen auch Abenteuerbücher wie "Die Schatzinsel" oder "Robinson Crusoe" verschlungen hat und sich gleichermaßen für gruselig-gewalttätige Storys wie "Dr. Jekyll and Mr. Hyde" oder die Kurzgeschichten von Edgar Allen Poe begeisterte, muss Herbie Brennan schon ein wundersames Kind gewesen sein. Denn das Einzelkind zeigte schon im ersten Lesealter auffällige Interessen.
Parapsychologie hat mich schon von Kindheit an interessiert, erzählt er. Bereits mit neun Jahren hat er einen Schulfreund hypnotisiert und sich auch für übersinnliche Phänomene interessiert. Mein Interesse am Okkulten, präzisiert Brennan, kam auch durch das Lesen. Später hatte ich ein Buch über Magie von W.E. Butler, der die Society of the Inner Light erwähnte, bei der man magische Techniken und ein auf der jüdischen Kabbalah beruhendes, mystisches System lernen konnte.

Auf falschen Wegen
Mit dem College-Abschluss holte Brennan die Realität ein. Seine alleinerziehende Mutter - der Vater starb, als Herbie vier war - schlug sich mit einem Tante-Emma-Laden in einem Leinenweberstädtchen im nordirischen County Down durch. Damit war an ein Studium nicht zu denken, Brennan wurde Journalist - und kein schlechter. Innerhalb weniger Jahre stieg er vom Reporter eines Provinzblättchens zum jüngsten Magazinherausgeber Irlands auf. Doch das neu gegründete Blatt floppte und Brennan - der für das Magazin nach Dublin gezogen war - stand auf der Straße.
Ich wurde Werbetexter, erzählt er, und war selbst überrascht, dass mir das gefiel – nicht nur, weil ich viel mehr verdient habe als mit dem Journalismus.
Seine erfolgreichen Kampagnen für eine Psychologische Klinik sorgten für eine kuriose Wendung: Die Inhaber bestellten Brennan zum Geschäftsführer. Seinen Kindheitstraum, Autor zu werden, wollte er nebenbei verwirklichen. Ich dachte, ich könnte nach der Arbeit noch einen Roman schreiben, bemerkt er verschmitzt, aber meistens bin ich abends statt zu schreiben durch die Pubs gezogen.
Daher zog er nach drei Jahren die Handbremse: Als ich die Klinik leitete, habe ich überhaupt nicht geschrieben, erinnert sich der Autor, und eines Tages bin ich aufgewacht und habe gemerkt, dass ich auf dem falschen Weg bin. Daraufhin hat er das Bücherschreiben doch noch zu seinem Job gemacht.

"Etwas befiehlt mir, den Job zu machen"
Die Arbeit an den Büchern fällt ihm offensichtlich leicht: Ich bin ein gewandter Schreiber, meint er, das Schreiben fällt mir normalerweise recht leicht. Wenn die ersten Ideen Gestalt angenommen haben, braucht er für Bücher wie "Zartog" oder "Elfenquatsch" einen Monat, höchstens zwei. Für Schmöker wie "Das Elfenportal", sein bei weitem umfangreichstes Buch, hat er sich neun Monate Zeit gelassen. Wenn ich in meinem üblichen Tempo gearbeitet hätte, bemerkt er einschränkend, wäre ich schon nach fünf oder sechs Monaten fertig gewesen. Aber ich habe mich selbst zur langsamen Arbeit gezwungen, damit mir keine groben Schludrigkeiten wie überstürzte Kapitelenden passieren. Vielleicht kann Brennan auch deswegen so flott arbeiten, weil er sich auf seine Phantasie verlassen kann. Einen Roman kann ich gar nicht im Voraus planen, ich leihe den Charakteren meinen Kopf und berichte, was sie tun. Das bringt ihn mitunter in ein Dilemma: Meine Helden überraschen mich dabei immer und weigern sich ständig das zu tun, was ich ihnen sage, aber dafür entwirren sie oft auch allzu verzwickte Plots für mich.
Den vergnüglichen Dreh im Elfenportal, bei dem Henry feststellt, dass seine Mutter lesbisch ist, hat er genauso erstaunt vernommen wie sein Held. Ich war überrascht und habe mir gedacht "Das sollte doch ein Kinderbuch werden " was tu ich denn jetzt?" Aber ich konnte nichts anderes als die Story weiterlaufen zu lassen. Am Ende war die Geschichte eine ganz andere als die, die seine Agentin als Exposé mit zwei Probekapiteln verkauft hat. Herausgekommen ist ein Fantasy-Roman, der vorzüglich das grassierende All-Age-Fieber bedient. Und das, so Brennan, ganz ohne Kalkül und ohne jede Berechnung:Ich schreibe meine Geschichten nicht für die Leser und habe sie auch nicht im Hinterkopf. Ich schreibe sie auch nicht für mich. Ich schreibe, weil mich etwas beherrscht und mir befiehlt, den Job zu machen.

Realität und Imagination
Seit rund 40 Jahren arbeitet er an einem so vielfältigen wie umfangreichen Werk mit inzwischen mehr als 70 veröffentlichten Büchern zu den unterschiedlichsten psychologischen, technischen, esoterischen Themen und Phänomenen sowie Romanen und Erzählungen. Dazu hat er noch rund 20 Spiele-Bücher geschrieben und sogar zwei Spiele entwickelt. Meine Kinder- und Jugendromane sind vor allem Fantasy-Geschichten, während sich meine Kindersachbücher mehr mit praktischen Themen wie Astronomie, Gedächtnistraining, Internet, Technologie und so beschäftigen, erklärt Brennan. Aber auch da kippt es öfters ins Fantastische, wie man gut an meiner nächsten Buchreihe "Herbie Brennan's Forbidden Truths" sehen kann, bei dem es um Atlantis, Zeitreisen, verborgene Kräfte und Parallelwelten geht.
Die enorme Bandbreite seiner Interessen ist keineswegs so beliebig, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte. Die Verbindung all dieser Themen, erläutert er, ist die ihnen zugrunde liegende Welt der Imagination, die William Blake als Beweis des Göttlichen gesehen hat. Schließlich arbeitet sogar die Psychologie mit der Imagination, und auch magische Techniken beruhen vor allem auf dem Training der Imagination. Den Tod oder den Zustand nach dem Tod können wir bis zu dessen Eintreffen ebenso nur imaginieren wie Aliens, UFOs oder Elfen. Aber hinter diesen Imaginationen kann möglicherweise eine Realität stecken, die über unser rein subjektives Empfinden hinaus geht.
Dabei ist er sicher, dass unsere Wirklichkeit, das Bild unserer Realität, ohnehin überwiegend Einbildung ist. Ich finde es ziemlich schwierig zu entscheiden, was real ist und was nicht, meint der irische Autor, selbst die Entdeckungen der Teilchenphysik legen nahe, dass unsere Welt, dass wir selbst eine Illusion sind. Sogar auf einer weniger tiefschürfenden Ebene kann man sehen, dass unsere Erfahrungen komplett subjektiv sind. Wir müssen nur die Barrieren der Illusion niederreißen, damit etwas anderes durchscheinen kann.

Leben und Vorlieben
Heute lebt Brennan mit seiner zweiten Frau, der Autorin und Kristalltherapeutin Jacquie Burgess, und achteinhalb Katzen – acht beherrschen unser Haus, die neunte ist zugelaufen und kommt nur zum Essen an die Hintertür – in einem Pfarrhaus aus dem 18. Jahrhundert im County Carlow. Jacquie, die vierzehn Jahre jünger ist als ich, hat mich umgänglicher gemacht, meint er, sie hat mich ermutigt zu reisen, obwohl ich das eigentlich nicht wirklich mag. Ich sehe zu viel fern, liebe gutes Essen und Wein und werde gelegentlich in die Oper mitgeschleppt, die ich auch nicht sehr mag. Im Kino sehe ich vor allem Fantasy-Filme – und ich liebe immer noch das Lesen.
Herbie Brennans Leseleidenschaft verschafft ihm neben der Arbeit am Nachfolgeband des "Elfenport" als auch eine bodenständige Aufgabe. Weil seine Bücher das ganze Haus überfluten, muss er einen Raum für seine Bibliothek anbauen. Das bringt nicht nur Ordnung in die Bücher: Mit dem Projekt habe ich meiner Frau gegenüber die Ausrede, dass ich auch unbedingt ein neues Computersystem brauche. Die Wahrheit ist natürlich, dass ich Computer einfach liebe und etwas Neues zum Spielen haben möchte.

Alle Texte auf dieser Seite aus: 1000 und 1 Buch 1|04, S. 32ff
© Manfred Schiefer

Herbie Brennan
(Foto: Gillian Buckley)

 

 

Mehr zu Herbie Brennan in englischer Sprache

Herbie Brennan bei dtv

 

In deutscher Sprache ist weiters erhältlich: "Zartog aus dem All"
96 Seiten, dtv junior 2001 (Deutsche Erstausgabe), ISBN 3-423-70664-3.

 
 

 

 

 

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