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Die Schule der Anfänger
Irgendwo im französischen Zentralmassiv ist es Winter. Bauern
treiben ihre Kühe durch den Schnee. Durch die unwirtliche Landschaft
fährt ein Kleinbus. Er sammelt Kinder von den Straßenrändern.
Sie scheinen noch bettwarm zu sein, ganz bei sich. Und es ist still.
Mitten in der kalten Landschaft steht ein Haus. In einem warmen
Raum sehen wir zwei Schildkröten. Sie bewegen sich langsam
und bedeuten uns, dass wir nicht drängeln sollen, weil dieser
Film eher langsam sein wird. Später sind dreizehn Kinder und
ein Mann im Raum. Der Mann hat vorher schon eingeheizt, er ist der
Lehrer. Jetzt versucht er, einigen Kindern Buchstaben beizubringen.
Und wir erinnern uns, vielleicht, wie schwierig es ist, ein m zu
zeichnen, wenn man nicht weiß, was ein m
ist. Irgendwann später fragt Jojo, den alle schnell ins Herz
schließen: "Ist es vor- oder nachmittag, Monsieur?"
"Haben wir schon zu Mittag gegessen?", antwortet der Lehrer
mit einer Gegenfrage. (So einer ist dieser Lehrer).
" Nein", sagt Jojo. "Dann ist es
"
"
Vormittag!"
Das Mittagessen teilt den Alltag. Beim Zählen ist das nicht
so einfach. Warum kommt nach der Sechs die Sieben?
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Nicht erst am Ende fragen wir uns, warum wir es so wunderbar finden,
zuzusehen, wie Kinder etwas lernen und ein Lehrer ihnen etwas lehrt. Vielleicht
weil das Wunder des Anfangs, das Wundern der Anfänger auch uns Alten
so viel Hoffnung gibt? Weil wir Sehnsucht haben nach der neugierigen Offenheit,
mit der hier Kinder die Grammatik der Sprache und des Lebens buchstabieren
lernen? Weil es gut tut zu sehen, wie ein Lehrer seit über 30 Jahren
das gleiche tut, immer wieder anfängt, das Interesse nicht verloren
hat und nicht die Geduld und auch noch glücklich ist?
Jedenfalls nicht nur aus Sentimentalität. Zu einsam ist der Ort,
zu isoliert, zu heftig der Winter, um idyllisch zu sein. Und am Ende steht
auch noch wie immer jenseits der Idylle ein Abschied.
Von Dezember 2000 bis Juni 2001 hat der Filmemacher Nicolas Philibert
den Schulalltag einer französischen Zwergenschule mit einer Klasse
von 13 Kinder zwischen sechs und elf Jahren begleitet. Mit Beleuchter,
Toningenieur und Assistent ist er in der Klasse gesessen und hat gefilmt.
Und weder Kinder noch Lehrer haben sich stören lassen. Aus über
sechzig Stunden Material hat er einen Dokumentarfilm von gut eineinhalb
Stunden geschnitten: Ein Lob der Schule, des Lehrers, des Lernens. Ein
Lob des Anfangs. Überaus sehenswert.
Franz Lettner
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