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Sie haben es bereits am Cover gemerkt: "1000 und 1 Buch" widmet jenem Genre einen Schwerpunkt, dem die Redaktion bisher eher aus dem Weg gegangen ist. Worauf die bisherige Verweigerung zurückzuführen war, ist schnell erklärt: In der Redaktion gibt es keine Fans dieses Genres, das mehr als andere vom Fantum lebt (abzulesen an den Homepages diverser Fanclubs und Fanzines). Zwar lesen wir natürlich einen Teil der erscheinenden Texte und einige davon halten wir nicht nur für gut, sondern sie bereiten uns auch ein Lesevergnügen (was nicht immer Hand in Hand geht), aber alles in allem dient die Lektüre dann doch eher dazu, die eigenen (Vor-)Urteile dem Genre gegenüber zu verstärken: Die Helden sind zu strahlend, die Frauen zu ätherisch, es gibt zu wenig ehrliche Verlierer und vor allem zu wenig Humor. Zu langweilig, zu dick - und immer dasselbe. Sie sehen, wir sind bisweilen in der Lage, Dinge auf den Punkt zu bringen.

Warum wir jetzt doch klein beigegeben? Wir wollen uns nicht länger gegen den Markt stellen (Es steckt hier richtig viel Geld drin!), wir wollen am Boom teilhaben. Wir wollen Sie, liebe Fantasy-Fans unter unseren Leserinnen und Lesern, nicht länger vor den Kopf stoßen. Und schließlich: Wir wollen es besser wissen. Also haben wir Fragen gestellt und kluge Leute für die Beantwortung derselben gesucht und gefunden. Sie können im Heft drei grundlegende Beiträge zum Thema lesen: Hans-Edwin Friedrich liefert die Basisinformationen. Gundel Mattenklott hat zahlreiche Texte unter der Perspektive ihres Umgangs mit Geschlechterrollen (wieder)gelesen. Und Inge Cevela schließlich hat über den Zusammenhang zwischen phantastischer Literatur und Weltanschauung nachgedacht. (Die Textauswahl der letztgenannten Beiträge macht im übrigen auch deutlich, dass es wenig sinnvoll ist, mit einem ganz engen Begriff von Fantasy zu arbeiten. Wir beziehen immer wieder also auch Texte aus der phantastischen Literatur mit ein.)

Dass bei der Auseinandersetzung mit Fantasy ein Beitrag über eine der zur Zeit wohl auflagenstärksten deutschsprachigen AutorInnen nicht fehlen darf, ist klar. Lesen Sie also ein Interview mit Cornelia Funke, das Claus Philipp anlässlich der Präsentation von Funkes "Tintenherz" in Wien geführt hat: Der Preis des Ruhms, die Ignoranz der Medien und der Umgang großer Produktionsfirmen mit literarischen Stoffen und Figuren sind einige der Themen, die zur Sprache gekommen sind.

Gesprochen wurde auch über Harry Potter. Und vielleicht fragen Sie sich, warum Sie bei uns keine Besprechung der neuesten Ereignisse in Hogwarts lesen können. Das ist schnell erklärt: Unsere offizielle HP-Spezialistin (sie ist auch bekennender Fan) war verhindert. Das ist nur entschuldbar, weil Heidi Lexe - von ihr ist die Rede - im Herbst ein kluges Buch mit dem Titel "Pippi, Pan und Potter" publiziert (eine Besprechung folgt in der nächsten Ausgabe) und darüberhinaus für dieses Heft unter dem Titel "Phantastische Freakshow" einen schönen Beitrag über Mangelwesen abgeliefert hat, für den auch HP Pate gestanden ist. Das ist doch auch nicht übel, oder?

Den Fantasy-Schwerpunkt runden wir ab mit einigen kleinen Beiträgen über AutorInnen des Genres, die zugegeben eher willkürlich ausgewählt sind: Nina Blazon, Herbie Brennan, Wolfgang Hohlbein und Terry Pratchett. Viele wichtige AutorInnen und Gestalten der Fantasy fielen also unter den Tisch, dem "Herrn der Ringe" ist zumindest der Blickwechsel gewidmet. Den Kollegen, der weder das Buch gelesen, noch den Film gesehen und zudem auch nichts dergleichen vorhat, erkennen sie daran, dass er ständig vom "Herbert der Ringe" spricht. Was soll man über so viel Ignoranz sagen?


Dass Linda Wolfsgruber besser über das phantastische Figurenarsenal Bescheid weiß, als man in Kenntnis ihres bisherigen illustratorischen Werkes gedacht hätte, zeigt ihre erste Arbeit für die 1002. Seite. Aber ihre Vielseitigkeit hat sie oft genug bewiesen, man muss sich also nicht wundern. Vielmehr kann man sich freuen, dass sie auch die nächsten drei Ausgaben mit einer Originalillustration hier nebenan zu finden ist - auch wenn es bei uns keinen goldenen Harry-Topf zu gewinnen gibt.

Ob Nele Steinborn den Topf, wenn es ihn denn gäbe, für das Cover dieser Ausgabe von "1000 und 1 Buch" gewonnen hätte, ist äußerst fraglich. Sie hat ein höchst authentisches Fantasy-Cover gestaltet und nicht alle waren damit so überaus zufrieden, wie es sonst beim Cover immer der Fall ist (genau, dem Herbert-der-Ringe-Kollegen ist das Cover eher zu "fantasy"). Die Gestaltung der neuen Kolumne allerdings, die Sie am Übergang vom Magazin- zum Besprechungsteil finden, die stand außer Streit. Fünf Jahre haben die Schrecklichen 7 dort ihr Unwesen getrieben, seit dem umfassenden Relaunch von "1000 und 1 Buch". Damit hat es jetzt ein Ende. "Zeitlos" heißt die Rubrik, in der Sie künftig über ältere Bücher lesen werden, die leider nicht mehr am Markt sind oder neu aufgelegt wurden, vielleicht mit neuen Illustrationen versehen, wie das bei Franz Joseph Huainiggs Bilderbuch "Meine Füße sind der Rollstuhl" der Fall ist. 1992 ersterschienen mit Illustrationen von Annegret Ritter wurde es von Verena Ballhaus neu illustriert und ist im letzten Herbst wieder erschienen. Ungebrochen aktuell.

So, jetzt aber ab ins Land der Fantasy, das - um einen Satz von Terry Pratchett abzuwandeln - groß genug ist, alles zu enthalten. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre.

Franz Lettner

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