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Fotos von © Birgitta Heiskel aus |
Rosie lebt in New York, und New York brodelt. Menschen aller Ethnien, Altersgruppen, sozialer Schichten und Religionen bilden das changierende Inlay einer faszinierenden Stadtkulisse. Farben und Formen, Töne und Gerüche verschmelzen in immer neuen Komponenten zu facettenreichen Panoramen, gestalten sich in permanenter Metamorphose zu aufregenden Collagen menschlicher Wahrnehmung: Da rasen Feuerwehrwagen durch die Stadt mit Lärm wie von Spielzeugautos, der Duft von gebrannten Mandeln liegt in der Luft, und jener von getrockneten wilden Kräutern. Der Parkettboden im Loft der Joggerin glänzt wie ein Spiegel, das Brautpaar auf der Hochzeitstorte ist aus schwarzem Plastik gegossen. Tausend Augen, Ohren, Nasen, Münder, Finger reichen nicht aus, um die unentwegt aufgefangenen Reize dieser lauten, schnellen, lebendigen Stadt zusammenzufügen zu einer vollständig wirkenden Momentaufnahme. Und doch prägt Rosies Blick der rasant bewegten Umgebung, diesem Karussell der Wahrnehmungen, einen individuellen Stempel ein, wenn sie in ihrem ganz eigenen Tempo New York durchmisst: zu Fuß, mit dem Bus, mit einem Lastwagen. Wie im Reißschwenk einer Filmkamera zieht ihr Blick vorbei an Gegenständen und Orten, um dann mit einem Mal das Tempo ihrer Wahrnehmung zu reduzieren. Nun konzentriert sie alle Sinne, betrachtet Dinge wie in Zeitlupe, bringt sie zum Stillstand so wie auch wir durch fett im Text markierte Satzbruchstücke gezwungen sind zum Innehalten. Dann riecht sie, hört sie, sieht sie, tastet, schweift ab nach innen. Wundersam assoziative und zeitlose Collagen entstehen schließlich in ihrer Phantasie, bevor sie sich erneut der Geschwindigkeit der Stadt überlässt. Denn schließlich, so weiß es die schwarze Nonne im weißen Gewand, verinnt die Zeit, und wir müssen weiter. |
Monika Helfer (Text) & Birgitta Heiskel (Illustration): Rosie in New York, St. Pölten: NP Verlag 2002 | |||