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Liebe Leserinnen und Leser,
Die Redaktion von 1000 und 1 Buch ist ziemlich leidensfähig, scheint
es: In der letzten Ausgabe war Fantasy das Thema, obwohl wir das Genre
(damals) nicht so gerne mochten. Und jetzt setzen wir uns mit Serien-
und Medienverbundliteratur auseinander auch nicht gerade der Traum
unserer alltäglichen Leseabende, wie Sie sich vielleicht vorstellen
können. (Langsam kommen uns aber immerhin Zweifel hinsichtlich der
Kompatibilität unserer literarischen Vorlieben und dem Markt, dem
freien). Aber immerhin sind wir jetzt auch auf diesem Terrain klüger
als noch vor wenigen Monaten und haben in dieser Zeit aus rein
fachlichem Interesse, versteht sich einen Teil der aktuellen TV-Serien
gesehen und uns bei einigen gar nicht so schlecht unterhalten!
Serien also und Medienverbundprodukte: Nach Linda Wolfsgrubers traumhaftem
Einstieg geht es in vier Hauptbeiträgen heftig zur Sache: Während
Horst Heidtmann die Linie von den frühen Filmbegleitbüchern
der 1920er Jahre bis zur TV-Serien-Begleitliteratur der Gegenwart zieht
und sehr konkret die Rezeption im Blickfeld hat, spannt Hans-Heino Ewers
den gedanklichen Bogen von den klassischen Sagen und Göttergeschichten,
von den großen Epen früherer Zeiten zu den aktuellen Medienverbundangeboten,
in denen er die bedeutenden Narrationen der Gegenwart sieht, also jene
Erzählungen, in denen die "Totalität des Weltgeschehens"
dargestellt werden kann. Esther Kochte geht von ihrer eigenen Lesegeschichte
aus, ihrer frühen Begeisterung für eine Serie sagen
wir es laut und deutlich: eine Pferdebuch-Serie , um den Ursachen
dieser nachhaltigen Faszination auf die Spur zu kommen wie auch den Prinzipien
seriellen Erzählens. Und Dietmar Knill schließlich klärt
uns darüber auf, warum es für Verlage sinnvoll ist, Serien und
Reihen, also starke Marken, zu kreieren, zu produzieren und zu verkaufen
und was diese Fast Food Literatur für die KäuferInnen
und LeserInnen bringt. Dazwischen lesen Sie kürzere Beiträge
von Menschen, die sehr unterschiedlich mit dem Prinzip
Serie konfrontiert sind: Von Heidi Lexe, der begeisterten Nutzerin diverser
Medienverbundangebote; von Karin Mair, die als Bibliothekarin Serien und
Reihen vor allem unter der Perspektive Budget sieht. Mit Ingvar Ambjørnsen
und Christian Bieniek haben wir schließlich zwei hochkarätige
Autoren gebeten, zu schildern, warum sie Serien schreiben und wie sie
es anlegen.
Der zweite Teil der Ausgabe ist dem Österreichischen Kinder- und
Jugendbuchpreis 2004 gewidmet (den Plakatfolder finden Sie beigelegt).
Wir gratulieren allen AutorInnen, IllustratorInnen, ÜbersetzerInnen
und natürlich auch den Verlagen für ihre ausgezeichnete Arbeit.
Die Preis-Berichterstattung für 1000 und 1 Buch haben ausgewiesene
Fachleute übernommen: Mit dem französischen Autor Vincent Cuvellier,
gemeinsam mit Candice Hayat für "Die Busfahrerin" (Jungbrunnen)
verantwortlich, hat Sibylle Vogel gesprochen, die ihrerseits gerade eben
für "Hugo allein daheim" mit dem Illustrationspreis der
Stadt Wien ausgezeichnet wurde. Gratulation! Für "Doktor Deter"
(NP Verlag) von Toon Tellegen und Gerda Dendooven haben wir Ärzte
um ihre Diagnose gebeten. Mit der Regisseuse und Autorin Lilly Axster,
die gemeinsam mit der bildenden Künstlerin Christine Aebi für
"Wenn ich groß bin, will ich fraulenzen" (Empirie Verlag)
ausgezeichnet wird, hat Heidi Lexe (deren jüngst erschienene Publikation
"Pippi, Pan und Potter" auf Seite 44 besprochen wird!) gesprochen.
"Spezialeinheit Kreiner" von Adelheid Dahimène (NP
Verlag) haben wir Stefan Slupetzky in die Hand gedrückt, der gerade
mit seinem Krimi "Der Lemming" bei Rowohlt reüssiert
hat. Bruno Blume, Autor und langjähriger Beiträger für
1000 und Buch, hat über die in München lebende Künstlerin
Verena Ballhaus geschrieben, die für "Meine Füße
sind der Rollstuhl" von Franz-Joseph Huainigg (Annette Betz) mit
dem Illustrationspreis ausgezeichnet wird. Dass Ballhaus 1000 und 1 Buch
seinerzeit einen sehr feinen Euro-Schein geschenkt hat, das haben wir
übrigens nicht vergessen (auf unserer Homepage www.1001buch.at können
Sie ihn nochmals besichtigen!). Zu Reingard Witzmanns "wunder.orte
| zauber.zeichen" (wieder NP Verlag) schließlich haben wir
für die Rubrik "Blickwechsel" Caroline Roeder, Berlinerin
und Fachfrau für literarisches Spazieren, und Heinz Steuer, passionierter
Wiener und langjähriger Leiter der Abteilung Kinder und Jugendliteratur,
um Beiträge gebeten. Und Ingrid Weixelbaumer, die für ihre Übertragung
aus dem Englischen von Judith Christine Mills "Das Geheimnis der
verschwundenen Schriftrolle" (dtv) ausgezeichnete Übersetzerin,
hat für uns "Ausgelesen" zwei Bücher über
das Lesen.
Lesen werden Sie übrigens in der nächsten Ausgabe auch einen
Beitrag des Autors Ralf Isau, der mit der (Art der) Aburteilung seiner
Tetralogie "Der Kreis der Dämmerung" durch Inge Cevela
in unserer Fantasy-Nummer gar nicht einverstanden war. Er wird in einem
Essay die Frage des Umgangs mit der Wirklichkeit, mit historischen Fakten
in literarischer Fiktion erörtern. Ein spannendes Thema wir
freuen uns auf die weitere Diskussion!
Dass unsere Leidensfähigkeit hinsichtlich der Schwerpunktthemen
von 1000 und 1 Buch auch ihre Grenzen hat, werden Sie in der nächsten
Ausgabe sehen. Im Postkasten wird sie erst dann sein, wenn viele von Ihnen
bereits im Urlaub sind. Aber danach sind Sie sicher schon wieder ganz
hungrig auf Bücher und Analysen. Wir werden Ihnen dann mit der Nummer
3|04 ein schmackhaftes Menü servieren zum Thema Essen und
Kinder- und Jugendliteratur.
Franz Lettner
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