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2|11 Verführen

Cover: Nele Steinborn
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Inhalt
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Anzeigenkunden
dieser Ausgabe:
Annette Betz
Bajazzo Verlag
Beltz & Gelberg
Bundesakademie
für kulturelle Bildung Wolfenbüttel 
Gütersloher Verlagshaus
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Liebe
Leserinnen und Leser,
Liebe Leserinnen und Leser,
ist Ihnen das Wasser im Mund zusammengelaufen, angesichts des Apfels
auf dem Cover? Haben Sie an die Steiermark gedacht, wo angeblich die
süßesten und saftigsten Äpfel Österreichs wachsen?
Oder gar an das Paradies (ein großer Gedankenschritt für die
Menschheit, ein kleiner für viele hier Einheimische) und in schneller
Folge an die Vertreibung daraus? Haben Sie sofort Ihre Zweifel gehabt,
ob nicht ein Foodstylist diese Frucht "zum Reinbeißen" präpariert hat?
Oder haben Sie gleich gewusst, dass ein Wurm drin ist? Hoffentlich
verführt es Sie dazu, das Heft aufzuschlagen und zu lesen.
Was mich zum Lesen eines Buches verführt:
der Name geschätzter AutorInnen oder IllustratorInnen, die Empfehlung
durch eine gute Freundin oder der Veriss eines bestimmten Kritikers,
ein Umschlagbild, das mich – so noch nie gesehen – schreckt oder rührt,
ein Titel, der eines klar macht und vieles im Unklaren lässt, der Name
einer Übersetzerin, die mir schon öfter Großartiges in meine Sprache
gebracht hat, ein Motto, das mich musikalisch einstimmt, eine
typografische Gestaltung, die Spannung erzeugt, aber meinem Auge nicht
wehtut, ein erster Satz, der mich in den Leserhythmus zwingt …
Verführung ist ein Zusammenspiel vieler Faktoren, ein Vorgang, bei dem
jedenfalls das Verhältnis zwischen Vertrautheit und Fremdheit eine
zentrale Rolle spielt. Verführung ist das Thema dieser Ausgabe von 1000
und 1 Buch.
Den Beginn machen Daniela A. Frickel und Thomas Mayerhofer mit ihrer Untersuchung der literarischen Darstellung sexueller Verführung im Jugendbuch.
Betören, Verstören und Zerstören nennen sie die drei grundsätzlichen
Modi der Verführung, die sie in der gegenwärtigen Literatur für
Jugendliche durchgespielt sehen – und nicht immer ist klar, wer wen mit
welchen Konsequenzen verführt. Das gilt umso mehr auch für
ProtagonistInnen jener Romane, die zur Zeit so viele Leserinnen
verführen: Der Anziehungskraft des animalisch Schönen und den Folgen
der Erfüllung des Begehrens zwischen Vampiren und jungen Frauen geht Heidi Lexe
nach – an glühenden Blicken, seidenweichen Stimmen und schwerem Atem
herrscht kein Mangel. Dass im Übrigen nicht nur die besonders saftigen
Äpfel aus der Steiermark kommen, sondern auch die ersten literarischen
Vampire in der wilden und entlegenen Gegend von Lower Styria ihr
Unwesen trieben, können Sie auch bei Lexe nachlesen.
Um das zentrale Feld der sexuellen Verführung haben wir weitere
Spielarten angeordnet (die in unterschiedlichem Ausmaß auch von ihr
mitbestimmt werden): Dass Macht verführerisch ist
und wie die Beziehungen zwischen Tätern und Opfern in jenen Romane
gestaltet werden, in denen erstere vorwiegend böse sind und zweitere
Außenseiter, zeigt Ralf Schweikart. Lukas Bärwald findet, dass in der Ausgestaltung des Motivs der kulinarischen Verführungen
im Kinderbuch diesselben Kräfte am Werk sind, die wir aus eigener
Erfahrung mit der Nahrungsaufnahme kennen: Widerstand und Begehren. Bruno Blume fragt sich, warum bestimmte Stimmen zu bestimmten Texten passen und ihn zum Hören verführen und Christina Ulm outet sich als TV-Serien-Junkie!
Dass unser Begehren uns beim Hören wie beim Sehen empfänglich macht für
schöne Versprechen und den Reiz des Verbotenen, das führen Robert Buchschwenter in Bezug auf Popmusik und Film und Silke Rabus
hinsichtlich der Bilder vor – und kommen beide zum Ergebnis, dass
Verführung auch Verirrungen zur Folge haben kann. Aber wer sich nicht
bewegt, den bewegt auch nichts. Den Schlusspunkt setzt Ines-Bianca Vogdt mit ihrem Essay über ein paar jener Geschichten, die über den Anfang der Menschheitsgeschichte erzählt werden. Schöpfungsmythen,
schreibt sie, sind als Erzählungen von der Kindheit des Menschen
Kindern nahe und dienen ihnen wie uns allen zur Selbstvergewisserung.
Dass sie dahingehend die Darstellung der Figur der Eva in der aktuellen
Kinderliteratur für junge Leserinnen eher für problematisch hält, macht
Vogdt in ihrem Beitrag klar.
www.lesefest.at ist die Internetseite des Bundesministeriums für Unterrricht, Kunst und Kultur, auf der über den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2011, der Anfang Mai in der Steiermark überreicht wurde, informiert wird. Barbara Steinitz, die für die Illustrationen zum preisgekrönten "Rosie und der Urgroßvater" von Monika Helfer und Michael Köhlmeier verantwortlich ist, hat für uns die 1002. Seite gestaltet – und Musik ins Heft gebracht. Kathrin Wexberg berichtet über den Entstehungsprozess dieser Geschichten über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Hohenems. Heidi Lexe schreibt über Carolin Philipps’ preisgekrönten Jugendroman "Wofür die Worte fehlen", den beiden jungen PreisträgerInnen Kathrin Steinberger und Michael Roher
haben wir Fragen zu ihrer Arbeit gestellt. Für die Antworten danken wir
Ihnen – und gratulieren allen beteiligten KünstlerInnen und
VerlegerInnen sehr herzlich.
Vor den Besprechungen
interessanter Neuerscheinungen aus dem heurigen Frühjahr finden Sie den
Beginn einer neuen Serie: Unter dem Motto "Rotzfrecher Strich, brave
Linie …" schreibt Renate Habinger über die Linie, mit der jedes Erzählen beginnt. Den Auftakt macht der Strich mit der Fettkreide.
Für den Sommer wünsche ich Ihnen angemessene Ausschweifungen: Lassen
Sie sich verführen auf heimischen Wiesen, in fremden Ländern – von
spannenden Büchern, kalten Getränken und frischen Früchten!
Franz Lettner
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Alle Rezensionen von 1000 und 1 Buch finden Sie unter www.rezensionen.at  |
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