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Liebe Leserinnen und Leser,
Woran erkennt man, dass der Sommer vorbei
ist? Daran, dass die Lehrer wieder da sind. So beginnt Wiglaf
Droste einen kleinen bösen Text, den wir gleich wieder weglegen.
Aber in diesem einen Satz hat er Recht. Was die zurückgekehrten Lehrer
inzwischen gemacht haben? Neue Energie getankt, entspannt, neueste Fach-
oder andere Literatur gelesen. An Unterrichtsvorbereitungen oder ihrer
Fitness gearbeitet, Kurse besucht. Es gibt viele Möglichkeiten, sich
auf das Ende des Sommers und den Beginn des Herbstes vorzubereiten, nicht
nur für LehrerInnen.
Wir zum Beispiel haben ein Heft zum Thema Schule in der Literatur und
Literatur in der Schule zusammengestellt, damit Sie den zur Jahreszeit
passenden Lesestoff haben. Die Lehrer sind nicht nur wieder da, sie
und ihr Arbeitsplatz, die Schule waren immer auch schon Thema literarischer
Texte. Ralf Schweikart hat einige davon gelesen und eine Typologie erstellt,
in der für die meisten LehrerInnen unter unseren LeserInnen Platz
sein wird. Ergänzungsvorschläge nehmen wir gerne an, um sie
unseren geneigten LeserInnen auf der Hompage zu präsentieren.
Literatur ist brauchbar im Schulalltag. Ihren wichtigsten Platz hat sie
wohl im Deutschunterricht, dem die ersten drei Beiträge von Ines
Morocutti, Christian Holzmann und Gerhard Falschlehner gewidmet sind.
Aber auch in fast allen anderen Fächern ist sie nicht unbrauchbar.
Eine biographische Darstellung des Lebens von Ulrike Meinhof beispielsweise
ist ja nicht nur literarisches Porträt, sondern auch eine intensive
Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte. Christine Knödler
hat mit dem Autor Alois Prinz über sein neues, viel diskutiertes
Buch gesprochen. Oder die Bücher von Josef Holub und Sheila Och
wieder gelesen von Barbara Angelberger sind ja nicht nur höchst
unterhaltsame literarische Texte über Bubenfreundschaften oder junge
Mädchen auf der Suche nach ihrer Identität, sondern auch Grenzgängergeschichten
zwischen Tschechien, Österreich und Deutschland. Und können
als solche helfen, die Geschichte Europas besser zu verstehen.
Wir stellen in diesem "Schulheft" einiges zur Diskussion: Den
Umgang mit Literatur im Fremdsprachenunterricht, die nicht unwesentliche
Bedeutung öffentlicher Verkehrsmittel in der Literatur und deren
Nutzbarmachung oder den Unterschied zwischen Romanen und Sachbüchern
zum Thema Wirtschaft. Mit dem Bleilausverlag stellen wir schließlich
ein fächerübergreifendes Projekt vor, in dessen Rahmen Kinder
eigene Bücher schreiben, zeichnen und auch selbst herstellen. Es
sind nur einige von vielen Möglichkeiten: den Sport haben wir ausgelassen
(zu heiß), die Musik ist zu kurz gekommen immerhin lesen
Sie ein musikalisches Porträt über Winfried Opgenoorth, komponiert
von Marko Simsa, der sich als Autor immer wieder mit Musik auseinandersetzt.
Dass in diesem Heft überdurchschnittlich viele Lehrende zu Wort kommen,
ist dem Thema angemessen. Dass sie von ihrer Sache viel verstehen, können
sie in den Beiträgen nachlesen.
Der Sommer ist vorbei, also wird es Herbst und die Frankfurter Buchmesse
rückt näher. Russland wird auf der Messe seine Literatur präsentieren,
Sie können hier schon zwei Beiträge zur russischen Kinder- und
Jugendliteratur vorlesen: Olga Maeots, Leiterin der Abteilung Kinderliteratur
in der Russischen Nationalbibliothek für fremdsprachige Literatur,
und Uschi Pirker, Slawistin, gerade im Begriff, ihre Diplomarbeit zum
Thema zu schreiben, sind unsere beiden Gewährsleute, die uns einen
ersten Einstieg in eine hier wenig bekannte Literatur- und Verlagswelt
geben.
Dass es Herbst wird, davon zeugen auch die Neuerscheinungen, die bereits
auf unseren Tischen liegen. Bevor wir in der nächsten Nummer die
neuen Bücher präsentieren, finden Sie im Rezensionsteil noch
zahlreiche Besprechungen von Frühjahrsbüchern, die eine Lektüre
lohnen.
Wie immer am Ende: Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Herbst,
in den Klassenzimmern oder auch außerhalb. Für alle Fälle
möchten wir Sie aber darauf hinweisen, dass uns demnächst ein
Winter ins Haus steht. Auf den gilt es sich vorzubereiten, solange noch
Zeit ist. Apropos Zeit um sie wird es im nächsten Heft gehen.
Das erhalten Sie dann im Winter. Franz Lettner
Franz Lettner
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