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Die Schule der Anfänger
"Lebensmittel" ist ein beinahe verschwundenes Wort. Es
kommt eigentlich nur mehr in den Zusammensetzungen mit -gesetz,
-handel, oder -farbe vor. Alle anderen Dinge heißen Konsumgüter.
Es ist daher naheliegend, dass "Lebensmittel" in kaum
einem Lexikon für Kinder eingetragen ist (die "Leber"
dagegen ist oft dabei sogar die "Leberzirrhose"
war einmal dort zu finden, wo "Lebensmittel" gesucht wurden).
"Lebensmittel" ist ein altmodisches Wort aus einer Zeit,
als das Vorkommen derselben in einer Einkaufstasche noch Rückschlüsse
auf Geschmack, Stil oder soziale Position der TrägerInnen zuließen.
Heute dagegen ist Geiz geil und keine und keiner kauft mehr Lebens-mittel,
alle shoppen Schnäppchen.
"Lebens-Mittel. Was Kinder brauchen", eine Publikation
aus der Reihe "Die tollen Hefte" der Büchergilde
Gutenberg, gehört noch in die alte Zeit: Die BeiträgerInnen,
allesamt Berühmtheiten (von Peter Härtling über Sarah
Kirsch, Robert Gernhardt, Jürg Schubiger bis Mirjam Pressler
u.a.) müssen ihr zugerechnet werden (was schon an ihren Geburtsjahren
ablesbar ist). Es wundert also nicht, dass es sich bei den 26 vorkommenden
Lebensmittel zwar um (auch pädagogisch) wertvollste Grund-Nahrungsmittel
handelt, sie aber meist auch den Genussmitteln zuzurechnen sind:
Von Baum bis Luft, von Liebe bis Spiel, Wärme und Wasser. Nur
die "Seife" will nicht so recht hineinpassen gut
dass sich Robert Gernhardt ihrer angenommen hat, hat er doch einen
eher schrägen Humor, alle anderen beteiligten AutorInnen einen
feinen bis braven. (Von Gernhardts Gedicht übers "Brot"
haben wir uns zwei Zeilen für das Cover von "1000 und
1 Buch" ausgeliehen. Danke!)
"Lebens-Mittel" ist ein feines altmodisches Heft mit
knappen, pointierten, selten bemühten Texten über wichtige
Dinge in ihren altmodischen Varianten geworden: über "Papier"
und "Stift" statt Computer, "Schuhe" statt Nikes
oder Pumas, "Hemd und Hose" statt coole Klamotten oder
über "Schubert" statt Hip-Hop.
Die illustratorische Gestaltung hat Thomas M. Müller übernommen
und sein Stil, der hier an die 50-er Jahre erinnert, passt gut zu
diesen Lebens-Mitteln, obwohl er 1966 geboren schon
in der Konsumgüterzeit aufgewachsen sein muss.
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