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Covervorschlag Nummer 2
Gestaltung: Nele Steinborn 
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Ausschnitt aus der 1000 und 2. Seite von
Linda Wolfsgruber
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Liebe Leserinnen und Leser,
Ich bin fest überzeugt, daß mein hartnäckiges
Überleben davon abhängt, daß ich mich, praktisch seit
meiner Geburt, niemals des Essens enthalten habe. Wahrscheinlich habe
ich auch vor meiner Geburt gegessen, vermute aber, daß es sich um
eine karge, eintönige und aufgezwungene Kost handelte, da sie mir
nicht im Gedächtnis geblieben ist; ein mir befreundeter Kinderarzt
versichedrte mir überdies, daß die Fetusse weder Speise- noch
Weinkarte kennen, sondern wie Touristen immer dasselbe Menu vorgesetzt
bekommen. Daß ich, indem ich esse, bis auf den heutigen Tag überlebt
habe, bringt mich auf den Gedanken, die Speisen hätten magische Eigenschaft,
enthielten wunderwirkende Geheimnisse, verborgene Wunderdinge, mit denen
wir uns noch nicht hinreichend befaßt haben. (Lob des Essens, in:
Giorgios Manganellis Lügenbuch, Wagenbach 1987)
Dass der leidenschaftliche Esser Giorgio Manganelli Italiener ist, schreibt
er selbst dem scharfsinnigen Kalkül der Götter zu. Es passt
aber auch zu unseren kulinarischen Vorurteilen. Der Wiener Vincenz Wizlsperger
hat das auf "Edi Flaneur" (CD erschienen bei Löwenhertz),einem
Musikprogramm für Kinder, zwar anders ausgedrückt
pleskavica rasnici / zwiebelsenf cevapcici
salz und pfeffer paradeiser / und schon knurrt der magen leiser
berner würstel limonade / keks bananen marmelade
sesamstangerl schinkenspeck / und schon ist der hunger weg
aber dasselbe gemeint: Wir müssen essen.
Zwischen alltäglicher Routine und feiertäglichem Luxus, Disziplinierung
und Genuss, Angst und Lust ist das Essen in unserem Leben angesiedelt.
Und das gilt auch für das Essen in der Literatur. Elke Krasny meint
in ihrem anregenden Essay "Küchengeschichten ein literarischer
Streifzug", dass sich Identität in den Kochtöpfen formt:
Am heimischen Herd werden Vorlieben und Abneigungen
geprägt. Charakteristische Gerüche und bestimmte leibliche Genüsse
avancieren zu Stützpfeilern der Erinnerung. ("Die Küche",
Hg. von Miklautz u.a., Böhlau 2000, Seite 253ff).
Dieser Spur folgend, lag es nahe, in der Kinderliteratur nach Essbarem
zu suchen. Die Ergebnisse unseres kinderliterarisch-kulinarischen Streifzugs
lesen Sie in diesem Heft, es ist einiges zusammengekommen.
Allerdings merke ich jetzt am Ende, dass bei der Zusammenstellung passiert
ist, was ich oft auch im Supermarkt bemerke: Kauft man hungrig ein, ist
das Ergebnis häufig unausgewogen, bisweilen fehlt sogar Wichtiges,
weil naheliegend Leckeres schon den Gaumen gekitzelt hat und im Wagen
gelandet ist. In Falle des Einkaufs kann man schnell noch einmal laufen
oder die Kinder schicken. Im Falle von "1000 und 1 Buch"
geht das nicht, die Daten müssen in die Druckerei, das Thema ist
für lange Zeit gegessen.
Was fehlt? Der Hunger zuallererst. Er war zwar eingeplant, aber eine
Autorin war nicht zu erreichen und ein anderer gerade satt
Und
am Ende war nichts über den Mangel und die Sehnsucht da, nichts über
"Zuckerbrot und Maggisuppe" (Kirsten Boie) und auch der Blick
über den meist satten mitteleuropäischen Tellerrand ist uns
nicht gelungen. Die vorhandenen "Stützpfeiler der Erinnerung"
sind eher sentimentale Blicke zurück in eine Kindheit der duftenden
Idylle.
Auch andere wichtige Motive und Themen sind auf der Strecke geblieben:
die Versammlung der Familie zu Tische, an dem es an allen Ecken und Enden
krachen kann (zumal an Weihnachten man denke an die wunderbaren
Szenen in Stein E. Lundes "Gilberts Rache", leider vergriffen,
oder in Christophe Honorés "Mein aufgewühltes Herz");
der Abwasch und wer für ihn zuständig ist, also die Frage, ob
die Küche noch weiblich ist; der allgemeine Vormarsch von Fastfood
auf den Tischen und in den Regalen. Es fehlt der Spinat und damit einer
der großen Irrtümer der kulinarischen Frühversorgung.
Es fehlt massiv der Nachtisch, weiters Otto Mops, der so schön gekotzt
hat, der Fuchs mit der untypischen Vorliebe für Bücher und auch
Puuh der Bär hat viel zu wenig Platz gekriegt, verglichen mit der
Bedeutung, die er der Ernährung zumisst.
Trotz dieser Mängel sind die meisten Grundnahrungsmittel vorhanden.
Die besondere Würze des Eintopfes aber, den wir mit unseren AutorInnen
zusammengekocht haben, sind die Illustrationen. Sie finden im Heft verstreut
nicht publizierte (oder vergriffene) Bilder von Verena Ballhaus, Antje
Damm, Julia Friese, Jacky Gleich, Renate Habinger, Thomas Hamann, Birgitta
Heiskel, Elffriede, Angelika Kaufmann, Ole Könnecke, Selda Marlin
Soganci und Linda Wolfsgruber (die Illustrationen wurden übrigens
den Texten von uns beigestellt). Wir bedanken uns herzlich. Gerne kochen
wir die KünstlerInnen einmal fein ein, wenn sie in Wien sind. Zwar
nicht mit dem Menü, das die großartige Köchin Sohyi Kim
für "1000 und 1 Buch" zusammengestellt hat da trauen
wir uns (noch) nicht drüber, aber für eine ordentliche Kartoffelsuppe
haben wir die nötigen Kräutlein inklusive Niesmitlust immer
parat, da brauchen wir keine Mimi.
Außer der Reihe finden Sie im vorliegenden "1000 und 1 Buch"
den bereits angekündigten Essay von Ralf Isau als Erwiderung auf
einen Beitrag Inge Cevelas in der Nummer 1|04. Dass sein Text nicht deplaziert
ist, sagt der Autor selbst: In metaphorischem Sinne hat das "Lesefutter",
das ich meiner Klientel liefere, ja auch etwas mit Essen zu tun.
Bleibt mir noch, Ihnen eine angenehme und interessante Lektüre zu
wünschen. Beste Voraussetzung dafür ist wahrscheinlich ein feines
Essen. Danach machen Sie es sich mit einem guten Glas Wein gemütlich.
Und lesen. Gerne nehmen wir
nach dieser Art Lektüre Kritik und Anregungen aus ihrem Mund entgegen,
schließlich ist er, der Mund, die zentrale Schaltstelle für
die Einverleibung und die Äußerung (Krasny).
Franz Lettner
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Zu Giorgio Manganelli
in italienischer Sprache 
Giorgio Manganelli
im Wagenbachverlag (inkl. Kurzbio) 
Texte von Manganelli online: "Besuch bei einer verzückten
Heiligen" 
"Literatur als Lüge"

Edi Flaneur bei Loewenhertz 
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Die Küche.
Zur Geschichte eines architektonischen, sozialen und imaginativen
Raums
Herausgegeben von Miklautz, Elfie / Lachmayer, Herbert / Eisendle,
Reinhard
(Böhlau 2000)

Supersize me
A Film of Epic Portions
Homepage Ralf Isau
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