| |
|



Cover von "Alter John" (Beltz &
Gelberg), "Bartimäus" (Randomhouse), "Chroniken
der Elfen" (Otherworld), "Nella Propella" (Fischer), "Hathaway
Jones" (Beltz & Gelberg) und "Das Vamperl" (dtv)

Mira Lobes "Omama im Apfelbaum" (Ill:
Susi Weigel)

Porzellanteller von Selda Marlin Soganci

Pop-up-Karte von Veronika Kyral
|
Liebe
Leserinnen und Leser,
was haben Peter Härtlings »Alter John«, Jonathan Strouds
vierter Bartimäus-Band, Wolfgang Hohlbeins »Chroniken der Elfen«,
Kirsten Boies »Nella Propella«, Katja Behrens »Hathaway
Jones und die schöne Flora Dell« oder Renate Welshs »Das
Vamperl« gemeinsam? Genau, all diese -Bücher sind als ebook
erhältlich. Nicht nur die Konzern- und Großverlage bieten schon
Bücher auch in elektronischer Form an, auch kleinere und ganz kleine
stehen in den Startlöchern. Und nicht nur Bücher für junge
Erwachsene oder ältere Kinder, auch Bilderbücher sind schon
in digitaler Form erhältlich. Oetinger will Erhard Dietls »Die
Olchis aus Schmuddelfing« Anfang nächsten Jahres als App für
das iPad zum Download bereitstellen ,
auch der neue Schweizer Verlag Aracari will
demnächst seine -Bilderbücher für das Tablet von Apple
vertreiben. Wer geglaubt hat, die Kinder- und Jugendliteratur sei von
den rasanten Veränderungen auf dem literarischen Markt nicht betroffen,
hat noch nicht ausprobiert, wie toll sich ein Bilderbuch auf dem iPad
lesen lässt – schon von sehr kleinen Kindern. Klar ist, dass
Lesen für kleine Kinder aber vor allem auch einen sozialen Aspekt
hat. Die körperliche und emotionale Nähe, die zwischen Kind
und vorlesendem Erwachsenen entsteht, das Gefühl von Vertrautheit
und Geborgenheit, mit dem der Vorgang des gemeinsamen Lesens aufgeladen
wird – und das im besten Fall auf das Lesen insgesamt übertragen
wird, das alles (und mehr) ist nicht ersetzbar dadurch, dass man Kindern
ein elektronisches Buch in die Hand drückt – sei es noch so
einfach zu bedienen. Kann man aber diese neuen Erscheinungsweisen von
Geschichten nicht trotzdem auch als Chance begreifen? Und darüber
nachdenken, was mit ihnen zu machen ist? Dass sie kommen, daran ist nichts
zu ändern, das war auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse
deutlich merkbar, trotz des Umstandes, dass dort auch heuer wieder in
erster Linie ganz normal gedruckte Bücher zu sehen waren. Dass auch
1000 und 1 Buch auf nicht absehbare Zeit
auf Papier gedruckt erscheinen wird, daran herrscht ebenso kein Zweifel.
Wir lieben es: den Geruch und die Haptik des Papiers, die Klarheit, mit
der Seiten aufgebaut werden können, die Eindeutigkeit des Umblätterns,
die Begrenztheit der 72 Seiten. Wir füllen sie nicht einfach, wir
gestalten sie mit Gefühl. Und hoffen, damit die Aufmerksamkeit unserer
LeserInnen zu erregen. Der Geist ist nicht
wie ein Gefäß, das gefüllt werden soll, sondern wie Holz,
das entzündet werden will, hat Plutarch in seinen Moralischen
Schriften geschrieben.
Damit bin ich – quasi auf zwei Wegen – beim Holz angelangt,
dem Thema der vorliegenden Ausgabe von 1000 und 1 Buch, in der wir jede
Menge davon gesammelt haben: In Form von hölzernen Figuren etwa,
die naturgemäß von Pinnochio angeführt
werden. In Form von Bäumen, die einen literarischen
Ort darstellen, auf dem sich der kleine Andi ebenso
wie der alte Baron wohlfühlen.
Und schließlich haben wir vor lauter Bäumen auch den Wald nicht
vergessen, ihm sind drei Hauptbeiträge gewidmet: Gundel
Mattenklott begleitet jene literarischen Figuren, für die
der Wald ein gefährlicher poetischer Raum ist, durch den sie hindurch
müssen, ihre Angst ebenso wie die Dämonen bekämpfend, um
gefestigt aus ihm herauszukommen. Nicole Kalteis
folgt den Spuren derer, die sich in den Wald zurückziehen, um dort
bewusst nahe der Natur zu leben und später gereift in die Zivilisation
zurückzukehren. Und Marlene Zöhrer
schließlich
ist wilden Männern, einem im Dschungel ausgesetzten kleinen Jungen,
Hexen und Räubern auf der Spur, jenen Outlaws also, de-nen der wilde
Wald schützende Heimat wird.
Wie groß, großartig und vielfältig der Wald als literarischer
Topos genutzt wurde und wird, zeigen diese Beiträge aufs Schönste.
Wie gefährdet er in der Wirklichkeit ist, darüber wurde in den
1980er Jahren unter dem Stichwort »Waldsterben« breit und
sehr emotional diskutiert. »Waldsterben« ist kein Thema mehr,
jetzt heißt das Schlagwort Klimawandel – ob und wie sich die
Auseinandersetzung mit Ökologie und Umweltschutz in den Sachbüchern
für junge LeserInnen verändert hat, dieser Frage ist Lukas
Bärwald (STUBE
)nachgegangen.
Setzt man sich mit dem Thema Holz in der KJL auseinander, kommt man an
Selda Marlin Soganci nicht
vorbei. Wir haben die deutsche Illustratorin nicht nur um die 1002. Seite
gebeten, sondern sie auch gefragt, wie sie auf ihrem Holzweg gelandet
ist.
Wir landen am Ende wieder beim Papier, bei einer ganz außerordentlichen
Art nämlich, aus diesem Werkstoff Bücher zu machen: Veronika
Kyral gehört nicht nur selbst zu jenen, die leidenschaftlich
mit Papier arbeiten, sie verfolgt für uns im Heft auch jenen Weg,
der von den Anfängen der Pop-ups – im Wiener Biedermeier –
zu den Papier-Ingenieuren der Gegenwart führt. Jene Bücher,
in denen gezogen, geklappt, gedreht oder aufgestellt werden kann, sind
zur Zeit ja sehr in Mode, als App werden sie wohl nie downloadbar sein.
Hier wird Papier aus dem Rohstoff Holz immer Werkstoff und Grundlage bleiben.
Wie immer können Sie im zweiten Teil des Heftes zahlreiche Besprechungen
von papierenen Neuerscheinungen des Herbstes lesen, außerordentlich
schöne, komische, mitreißende und berührende Bücher
sind dabei. Viele davon eignen sich hervorragend, in Bibliotheken aufgenommen,
an junge LeserInnen weitervermittelt oder an liebe Freundinnen verschenkt
zu werden. Und man kann sie auch selbst lesen. Viel Vergnügen dabei
wünscht Ihnen im Namen der Redaktion
Franz Lettner
|
Zu den Rezensionen  |
|
|
| |
|
|
|
|
|
|