Kinderbücher 2006

                                                                                       
 

 

 

 

Armin Abmeier (Hg.)
Hör zu, es ist kein Tier so klein, das nicht von dir ein Bruder könnte sein

Herausgeber Armin Abmeier hat viel Überraschendes und Eigenwilliges zusammengetragen, was so noch in keiner Anthologie – schon gar nicht im Kinderbuchbereich – zu lesen war, und dennoch nicht auf Bewährtes und Vertrautes verzichtet. 62 Gedichten stehen 62 Bilder gegenüber, jedes aus einer anderen KünstlerInnenhand, was eine passable Werkschau deutschsprachiger Illustrationskunst ergibt.

Hamburg: Carlsen 2006
148 S.; € 25,60; 978-3-551-51684-8

 

Gerda Anger-Schmidt & Renate Habinger (Ill.)
Muss man Miezen siezen?

Der Tag, an dem gefragt wird, welche Miezen man siezen muss, ist der Tag, an dem alle guten Ringe frei sind, die Litan-Ei die Lombard-Ei entzw-Eit, das entlaufene Känguru Heidi ganz Eggenfelden in Aufruhr versetzt, heimische Haselmäuse Hochzeitstorten hamstern und Krallinsky in Katzen City mit eiserner Kralle für Ordnung sorgt – obwohl er ein Faulpelz ist. – Neue Sprachspielereien und Kreativakte des kongenialen österreichischen KünstlerInnen-Duos.

St. Pölten: Residenz 2006
128 S.; € 18,90; 3-7017-2009-6; ab 9

 

Steve Augarde
Der Elfenwald

Der zweite Band einer Trilogie, der – wie schon der erste Band „Das kleine Volk“ – seine Spannung daraus bezieht, dass er zwei Welten ineinander spiegelt: Die der Menschen und die der Verschiedenartigen, kleiner Waldbewohner, die sich ängstlich vor den „Riesen“ verstecken. Ein Roman mit Fantasy-Elementen, dem man allein durch die wunderschöne Gestaltung des Buchumschlages schon ansieht, mit wie viel Liebe hier ans (erzählerische) Werk gegangen worden ist.

Aus dem Engl. von Ursula Höfke
Würzburg: Arena 2006
456 S.; € 17,50; 3-401-05828-2

 

Frank Cottrell Boyce
Meisterwerk

Der englische Autor Frank Cottrell Boyce, der schon mit seinem Debüt „Millionen“ zurecht einen beachtlichen Erfolg landen konnte, hat sich mit „Meisterwerk“ noch gesteigert. Mit großer Leichtigkeit und viel Sinn für Situationskomik erzählt er eine – sehr konstruierte aber immer funktionierende – tragisch-komische Geschichte über die Schwierigkeiten der Kommunikation, die Leidenschaft des Sammelns und Archivierens, über die Macht von Kunstwerken und die hartnäckige Liebe zum Leben.

Aus dem Engl. von Salah Naoura
Hamburg: Carlsen 2006
352 S.; € 15,40; 3-551-58145-2; ab 12

 

 

Eoin Colfer & Tony Ross (Ill.)
Tim und das Geheimnis von Captain Crow

Eine Geschichte über Brüder und über Angst, eine Geschichte über schaurige Piraten und schöne Ferien am Meer ... Nach „Tim und das Geheimnis von Knolle Murphy“ ein weiteres ebenso komisches wie spannendes Abenteuer für ErstleserInnen des irischen Erfolgsautors.

Aus dem Engl. von Brigitte Jakobeit
Weinheim: Beltz & Gelberg, 2006
100 S.; € 10,20; 3-407-79916-0; ab 8

 

 

Kate DiCamillo & Bagram Ibatoulline (Ill.)
Die wundersame Reise von Edward Tulane

Der Porzellanhase Edward Tulane ist groß, schön, strahlendweiß. Aber ein Kuschelhase ist er nicht. Eher ein ziemlich eingebildeter Pinkel. Das Herz schon allein deswegen nicht auf dem rechten Fleck, weil ihm das genau fehlt: ein Herz, das schlägt. Was es heißt, Angst zu haben und traurig zu sein, erfährt er in einer wahrhaft wundersamen Reise rund um Glück, Unglück und die Wunder der Rettung.

Aus dem Amerik. von Siggi Seuß
Würzburg: Arena 2006
144 S.; € 13, 30;3-7915-2802-5; ab 8

 

Julia Donaldson & Axel Scheffler (Ill.)
Das Riesenmädchen und die Minipopps

Nach den erfolgreichen „Grüffelo“-Geschichten bleibt auch Donaldsons neuer Kinderroman dem Phantastischen verhaftet, das sie dieses Mal ins direkte Spannungsfeld zwischen Realität und Fiktionalität rückt. Gespickt mit Zitaten und Versatzstücken aus „Gullivers Reisen“, „Hans und die Bohnenranke“ und „The Incredible Shrinking Man“ entwirft Donaldson eine Zwei-Welten-Theorie, die durch den Einbruch des Fiktionalen ins Reale, des Kleinen ins Große besondere Brisanz erhält und sich phasenweise wie ein Thriller liest.

Übersetzt von Mirjam Pressler
Weinheim: Beltz & Gelberg 2006
216 S.; € 13,30; 3-407-79910-1; ab 8

 

Andrea Karimé & Annette von Bodecker-Büttner (Ill.)
Nuri und der Geschichtenteppich

Nuri musste ihre irakische Heimat plötzlich und unvorhergesehen verlassen. Ihre Tante blieb zurück, zusammen mit dem Geschichtenteppich, aus dem sie Nuri jeden Abend eine Geschichte „herausgelesen“ hatte. Nun lebt Nuri in Deutschland, wo alle Straßen aufgeräumt sind und vom Regen glänzen, und schreibt Brief um Brief an ihre Tante, ohne eine Antwort zu erhalten. Nuris Leben verändert sich, als sie einen bunten Teppich bekommt: genau wie Tante Marwa kann sie darin Geschichten sehen. Ein stilles, unaufdringliches, feinfühliges Buch über ein kleines Mädchen mit großen Problemen und noch größerer Fantasie.

Wien: Picus 2006
64 S.; € 13,90; 3-85452-889-2; ab 7

 

 

Hilary McKay
Eine Rose zum Frühstück

Im dritten Band einer ungewöhnlichen Familiensaga dreht sich bei den Cassons alles um die Liebe. Und wieder zeigt sich die große Kunst der Hilary McKay: Die größten (Familien-) Tragödien kommen bei ihr tragikomisch daher. Nie schwarz, höchstens schwarzhumorig. Und sehr menschlich. Ihre Helden sind die Kinder – mutig und aufrichtig, im besten Sinne prinzipienlos, wertfrei und ohne Vor-Urteile, wie nur Kinder es sein können. Eben: echte Vorbilder. In Geschichten voller Moral, aber ohne jede Keule, die Katharsis so unkonventionell wie überzeugend.

Aus dem Engl. von Irmela Brender
Hamburg: Oetinger 2006
192 S.; € 10,20; 3-7891-4252-2; ab 11

 

Ulf Nilsson & Eva Eriksson (Ill.)
Die besten Beerdigungen der Welt

Luftig und zart sind dazu die Aquarelle von Eva Eriksson, leicht der Ton von Ulf Nilssons skurriler Geschichte über Ester, ihren kleinen Bruder Putte und einen Freund, die aus Langeweile eine tote Hummel begraben. Aus dem Zeitvertreib wird eine Mission, denn die Kinder beschließen, sich um tote Tiere zu kümmern. Die Firma „Beerdigungen AG“ wird gegründet, die gegen Entgelt und mit Profi-Ausstattung für „die besten Beerdigungen der Welt“ bürgt. So nebenbei machen sich die Kinder aber auch ihre eigenen Gedanken über Leben und Tod, über Respekt und Trauer. Ganz selbstverständlich und schwerelos aus ihrer kindlichen Perspektive.

Aus dem Schwed. von Ole Könnecke
Frankfurt/M.: Moritz 2006
40 S.; € 13,20; 3-89565-174-5; ab 5

 

Jutta Richter & Rotraut S. Berner (Ill.)
Die Katze oder Wie ich die Ewigkeit verloren habe

Jutta Richter hat mit diesem Buch ein weiteres Mal versucht, Kindheit poetisch zu denken und zu formulieren. Herausgekommen ist eine höchst eigenwillige Erzählung, die einen kindlichen Erlebnisraum mit allen Sinnen auslotet, ihn mit Gerüchen und Geräuschen ausstattet, die beim Lesen unmittelbar erfahrbar werden, ihn mit ungewöhnlichen Bildern anreichert („Dann half nur noch die Kreissäge, mit der Waldemar Buck den Nachmittag zersägte.“). Ein poetischer Kindheits-Raum, der sich einer rationalen Lektüre widersetzt.

München: Hanser 2006
72 S.; € 13,30; 3-446-20793-7

 

Ulf Stark & Heike Herold (Ill.)
Ein Sommer mit Percy und Buffalo Bill

Endlich Ferien! Ulf fährt wie immer mit der Familie zu den Großeltern auf eine Stockholmer Schäreninsel. Doch diesmal will sein Freund Percy mitkommen. Ulf erschrickt, er weiß, dass sein jähzorniger Großvater keine Kinder, keine Erwachsenen und keine Tiere mag. Aber Percys Besuch entpuppt sich als große Überraschung. Ulf Stark hat eine wunderschöne Sommergeschichte für Kinder (und Eltern) geschrieben, in der er drei Generationen mit all ihren Problemen zusammen bringt.

Aus dem Schwed. von Birgitta Kicherer
Hamburg: Carlsen 2006
237 S.; € 12,90; 3-551-55425-0; ab 9

 

Paul Stewart & Chris Riddell (Ill.)
Fergus Crane auf der Feuerinsel

Seit dem rätselhaften Verschwinden seines Vaters lebt Fergus Crane mit seiner Mutter in sehr bescheidenen Verhältnissen. Als eines Tages ein Schulschiff vor Anker geht und ihm kostenlosen Unterricht anbietet, denkt er nicht zweimal darüber nach. Aber irgendwie ist es doch seltsam, dass manche Lehrer Augenklappen oder statt einer Hand einen Eisenhaken tragen. Schräge Vögel sorgen für vergnügliche Lesestunden!

Aus dem Engl. von Thomas A. Merk und Claudia Gliemann
Düsseldorf: Sauerländer, 2006
222 S.; € 15,40; 3-7941-6057-6; ab 9

 

Toon Tellegen & Marit Törnquist (Ill.)
Pikko, die Hexe

Die Hexe Pikko ist so klein, dass sie auf keinem der stimmungsvollen (Landschafts-)Bilder von Marit Törnqvist zu sehen ist. So klein, dass sie sich leicht in die Köpfe anderer einschleichen kann, um dort die Gedanken ein wenig durcheinander zu wirbeln. Ein philosophisches Bilderbuch im Märchenton über Macht, Freiheit und die Kraft der Gedanken


Aus dem Niederländ. von Mirjam Pressler
Düsseldorf: Sauerländer, 2006
48 S.; € 16,40; 3-7941-5139-9; ab 6

 

Toon Tellegen & Verena Ballhaus (Ill.)
Der Murr oder Die Entdeckung des Honigs

Diese Geschichte ist in Form und Inhalt dem Lustprinzip verpflichtet, der Unmittelbarkeit und eigenen Logik kindlichen Denkens, einer Einfachheit, die konsequent zu großer Komplexität, zum Absoluten sogar führt und davor nicht halt macht – und sei das Ergebnis noch so surreal. In großartigen Bildern und wunderbaren Dialogen wird über die Sehnsucht nach DEM Honig erzählt – das mag auf den ersten Blick komisch wirken, steckt aber voller Traurigkeit, der nicht entgehen kann, wer sich einer Sehnsucht völlig hingibt.

Aus dem Niederländ. von Jens Eschmann, Hendrik Neukäter, Georg Verweyen und Peter Wessels
Düsseldorf: Sauerländer 2006
96 S.; € 14,30; 3-7941-6053-3; ab 5

 

László Varvasovszky
Bärenwortspielbuch

Zwei Bären lungern gemütlich im Birkenhain und entschließen sich zu einem Sprachspiel. Und das geht so: Man muss Wörter finden, in denen das Wort Bär vorkommt. Also Bärenhunger oder bärenstark oder auch Bärlauch . Da bringt plötzlich ein kleines freches Bärenkerlchen mit dem Wort Erdbären Verwirrung ins Spiel. Zuerst ist noch das Wort Regeln zu hören, doch als dann das Wort Spielverderbär fällt, werden Pingeligkeiten über Bord geworfen und fröhlich dahinfabuliert.

Weitra: Bibliothek der Provinz 2006
68 S.; € 20,00; 3-85252-667-1; ab 8

 

Dolf Verroen & Birte Müller (Ill.)
Josefinchen Mongolinchen

Für manche Leute ist Josefientje lächerlich, „bekloppt“ und direkt unheimlich: eine Zwanzigjährige mit Kindergesicht, die Zigarillos raucht und im Restaurant in rauem Bass Weinflaschen ordert. In Wirklichkeit ist Josefientje eine Prinzessin. Das wissen ihre Eltern, das weiß auch Jens, ihr zehnjähriger Bruder, ihr Ritter. Erzählung und Illustration verbinden sich zu einem kleinen Kunstwerk jenseits jeden Unterhaltungsmainstreams, das Kindern und Erwachsenen Mut gibt, sich behinderten Menschen zuzuwenden.

Aus dem Niederländ. von Rolf Erdorf
Stuttgart: Freies Geistesleben 2006
111 S.; € 13,90; 3-7725-2043-X; ab 7

 

Dirk Weber & Jan Jutte (Ill.)
Hier bin ich

Dass diese an sich typische Geschichte eines Waisenkindes so gut funktioniert, liegt neben der interessanten Figurengestaltung am erzählerischen Ton: Der ist zugleich herzlich und rau, warm, ohne sentimental oder kitschig zu sein – wofür auch der milde dunkle Humor, der da und dort (etwa in den Überschriften) aufblitzt, und vor allem die Herbheit der mit treffenden Unterschriften versehenen, ausdrucksstarken Zeichnungen der Heldin verantwortlich sind. Ein schön berührendes Leseerlebnis!

Aus dem Niederländ. von Michaela Kolodziejcok
Hamburg: Dressler 2006
176 S.; € 12,40; 3-7915-2236-1; ab 10

 

Renate Welsh
Gut, dass niemand weiß …

„Ja, ja, mein Lieber, das Leben ist kein Honiglecken.“ Dieser Oma-Spruch passt für den etwa 9-jährigen Peter. Nicht nur, dass er seinen Vater und ein Großelternpaar bei Unfällen verloren hat, die Lieblingsoma mit Alzheimer im Pflegeheim Unsinn redet und die Mutter beruflichen Stress hat – plötzlich findet er auch noch ein geheimnisvolles Brieflein: „Du glaubst, dass es keiner weiß. Aber ich habe alles gesehen.“ Wenige Tage später wird er um 20 Euro erpresst ...

Innsbruck / Wien: Obelisk 2006
456 S.; € 17,50; 3-401-05828-2; ab 10

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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