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| Terry Pratchett |
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Anmerkungen
[1] Pratchett, Terry u. Biggs, Stephen:
Die Scheibenwelt von A-Z. München 1996. S. 224.
[2] Bio- und Bibliographie sowie
andere Informationen finden sich z.B. auf www.scheibenwelt.de 
[3] Von Fließen allerdings
kann kaum die Rede sein, da die Einwohner den Ankh seit jeher zur
Abfallentsorgung benutzen, muss es wohl besser heißen: Der
Fluss steht in der Stadt.
[4] Pratchett, Biggs: S. 29.
[5] Pratchett, Biggs: S. 184.
[6] Erstaunlicherweise finden recht
viele Szenen in Pratchetts Romanen in den Schatten statt, natürlich
nach Einbruch der Dunkelheit. Damit soll aber nichts über die
Ehrbarkeit der Protagonisten gesagt sein.
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[7] U.a. Pratchett, Terry: "Wachen!
Wachen!" , "Helle Barden" und "Die Nachtwächter".
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| [8] D.h. er
ist anderen Spezies, z.B. Zwergen oder Trollen, ganz zu schweigen
von Vampiren und Werwölfen, gegenüber noch zynischer und
mürrischer eingestellt als seinen Mitmenschen.
[9] Z. B. Pratchett, Terry: "Helle
Barden", "Der fünfte Elefant" und "Die
Nachtwächter".
[10] Ein Kennzeichen der Scheibenweltromane
sind die vielen Fußnoten, die weitläufige Erklärungen
enthalten. Hier würden Sie also zum Beispiel Ausführungen
zum Zahlensystem der Trolle (das in Dreierpotenzen zählt) oder
zur Theorie über die Kugelform der Scheibenwelt finden.
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Die Welt als Scheibe
Terry Pratchett und die Fantasy 
Klonk. Eine Rezension 
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Die Welt als Scheibe.
Fantasy von Terry Pratchett.
Von
Nicolas Rust
Groß-A'Tuin. Die
kosmische Schildkröte trägt die Scheibenwelt (...). Auf
ihrem Rücken stehen (...) die vier riesigen Elefanten, auf
deren Schultern die Scheibenwelt ruht. Eine kleine Sonne und ein
kleiner Mond umkreisen sie (...).[1] Terry
Pratchett über seine Scheibenwelt
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| Der Mensch, der diese Welt gesehen hat und seit dem
davon berichtet, ist 1948 im britischen Beaconsfield geboren und heißt
Terry Pratchett. Nach jahrelanger Arbeit als Journalist für die
regionale Presse und Pressesprecher eines Energiekonzerns verdient
er mittlerweile als freier Autor [2] seinen Lebensunterhalt für
sich, seine Frau, seine Tochter und eine große Zahl von Haustieren,
vor allem Katzen. Mit charakteristischem Schlapphut und Ginflasche
(nach eigenen Angaben nur mit Wasser gefüllt) ausgerüstet
füllt Pratchett im Rahmen seiner Lesungen Buchhandlungen und
ganze Hörsäle, wo er sein Publikum mit Anekdoten aus seinem
eigenen Leben und natürlich mit Szenen und Neuigkeiten aus der
Scheibenwelt unterhält.
Die Scheibenwelt ist eine Anderswelt, die
anders als in der klassischen phantastischen Literatur keine
direkte Verbindung mit unserer eigenen Welt hat. Es gibt kein Einfallen
des Grotesken oder Irrationalen in den Alltag. Statt dessen hat
Pratchett eine in sich geschlossene Fantasywelt geschaffen, die
allerdings Parallelen zu irdischen Ländern und Kulturen aufweist.
So finden sich neben kleinen, mittelalterlichen Königreichen
auch weitläufige Imperien, die an das Chinesische Kaiserreich
erinnern. Wüstenstaaten, deren Herrscher sich in Pyramiden
begraben lassen, wechseln sich ab mit windumtosten, zerklüfteten
Berggipfeln und finsteren, unerforschten Wäldern. Einen zentralen
Platz nicht nur in der Gesellschaft der Scheibenwelt, sondern auch
in den Erzählungen Pratchetts, nimmt die Stadt Ankh-Morpork
ein.
Chicago, Wien, Ankh-Morpork?
Diese Stadt, vom Strom Ankh durchflossen [3], ist die älteste
Stadt der Scheibenwelt und in ihr leben zahllose Kulturen und Völker.
An den Grenzen mehrerer Länder gelegen und mit Zugang zu wichtigen
überseeischen Handelsstraßen ist Ankh-Morpork mittelalterlichen
Handelsplätzen wie Venedig oder den Hansestädten nachempfunden.
Zwar hat die Metropole viele Attribute der klassischen Fantasy
Gilden, Zauberer und so weiter (...)[4], aber Probleme, die sich aus dem Zusammenleben verschiedener
Rassen ergeben, aus der Koexistenz meist eigennütziger, widersprüchlicher
Interessen, wie auch die Versuche, trotz all dieser Konflikte miteinander
zu leben, weisen deutliche Bezüge zu unserer eigenen Welt auf.
Zudem geht nicht alles so geordnet zu, wie es auf den ersten Blick
scheinen mag. So sitzen im Rat der Gilden nicht nur Handwerker und
Händler, sondern auch Diebe und Näherinnen (Bezeichnung
für junge Damen, deren Zuneigung käuflicher Natur ist
[5]) vertreten hier ihre Interessen. Sogar die Assassinen haben
eine eigene Gilde, so dass das Töten für Geld in einem
festen Rahmen verläuft. In Wahrheit sind die Gildenhäupter
allerdings viel unwichtiger, als sie selbst annehmen, denn in Ankh-Morpork
gilt das Gesetz: Ein Mann, eine Stimme. Dass Pratchett diesen Satz
anders auslegt, als man im ersten Moment vermutet, macht seine spezielle
Art von Humor deutlich: Derzeit ist der Mann der diese eine Stimme
und also die Macht innehat, der Patrizier Vetinarius,
der die Interessen der Mächtigen gegeneinander ausspielt und
so die Stadt am Laufen hält. Am anderen Ende der sozialen Leiter
finden sich die Tagelöhner und Bettler, die ebenso das alltägliche
Bild der Stadt prägen und die von Pratchett ebenfalls mit viel
Sorgfalt gestaltet werden: So gibt es ein Stadtviertel, die Schatten,
in die sich kein ehrbarer Bürger nach Einbruch der Dunkelheit
begeben würde.[6] Und vom berüchtigsten Bettler der Stadt
heißt es, sein Gestank sei so ausgeprägt, dass er schon
eine eigene Persönlichkeit entwickelt habe. Zwischen diesen
Polen finden sich Zauberer, Straßenverkäufer, Künstler
und viele Fremde, die auf die eine oder andere Weise in der Stadt
gestrandet sind.
Elfen und Untote, Handwerker
und Händler
Auch die Bevölkerung der Scheibenwelt setzt sich aus fantasy-typischem
Personal zusammen. Neben Menschen finden Elfen, Zwerge und Trolle
ebenso Platz wie Untote, Feen und zählende Bäume. Hexen
und Zauberer betreiben ihre Geschäfte neben Handwerkern, Händlern
und Straßenräubern. Ankh-Morpork kann als paradigmatisch
gelten hinsichtlich diesen multikulturellen Zusammenlebens. In der
Stadtwache beispielsweise, die in mehreren Romanen Pratchetts die
Hauptrolle spielt [7|, finden sich Vertreter und Vertreterinnen
von fast allen lebenden (und einigen nicht mehr lebenden) Völkern.
Neben ihren alltäglichen Pflichten müssen sie auch daran
arbeiten, ihre Differenzen zu überwinden oder zumindest hinten
an zu stellen. Kennzeichnend für Pratchett ist, dass er den
Figuren und ihrer Charakterisierung ausgesprochen viel Raum lässt.
Zwar ist jede Erzählung um wenige Hauptpersonen aufgebaut,
aber auch die Antagonisten und selbst manche nur beiläufig
auftretende Figuren werden vom Autor mit Motiven und Ambitionen
versehen, so dass dem Leser viele zur Identifikationsmöglichkeiten
geboten werden.
Darüber hinaus werden Figuren über mehrere
Romane hinweg entwickelt und sie entwickeln sich auch weiter. Samuel
Mumm etwa hat seinen ersten Auftritt im Roman "Wachen! Wachen!",
in dem er als alkoholsüchtiger Hauptmann der Wache dargestellt
wird. Er ist zynisch, mürrisch und ein eingefleischter Speziist.[8]
Dass hinter dieser Figur mehr steckt, offenbart sich in späteren
Erzählungen, in denen er die Wache zu einer ernstzunehmenden
Institution umorganisiert. Als erster Hauptmann stellt er nichtmenschliche
Wachen ein und gewinnt durch seinen Einsatz den Respekt der Bürger
und der Leser. Nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Fanpost
hat Pratchett inzwischen weitere Kriminalgeschichten über Hauptmann
Mumm geschrieben [9] und dem Charakter dadurch immer mehr Tiefe
verliehen.
Die Komik von Fußnoten
Anregungen für seine Geschichten bezieht Terry Pratchett
wie es im Genre üblich ist aus den verschiedensten Quellen.
Shakespeare und Volksmärchen werden genauso verarbeitet wie
griechische Mythologie und keltische Sagen von der Wilden Jagd.
Aber auch Bezüge zu deutlich moderneren Vorbildern Hollywood,
Rockmusik oder Weltraumfahrt finden sich in großer
Menge. Enstand der komische Effekt der ersten Scheibenwelt-Romane
noch durch die parodistische Erzählweise, so bringt Pratchett
sein Publikum mittlerweile vor allem durch Überraschung
unvorhergesehene Wendungen, ironische Anspielungen auf unsere eigene
Welt und Erklärungen zu allen möglichen Um- und Missständen
[10] zum Lachen. Viele komische Momente wie die schonungslos
ernsthafte Ausbildung in der Narrengilde oder die wortgetreue Ausführung
von Befehlen durch den Troll Detritus sind eng an einzelne Charaktere
gebunden. Teils bizarr anmutende Details und Erläuterungen
gehören auch zum typischen Repertoire in Pratchetts Romanen.
So wird ausführlich erklärt, dass die Zählenden Bäume
ihr Geburtsjahr auf ihrer Rinde erscheinen ließen, weil sie
meinten, die Menschen würden sie nur fällen, um die Altersringe
zählen zu können. Mittlerweile sind die Zählenden
Bäume der Scheibenwelt durch die Türschildindustrie so
gut wie ausgerottet worden.
Die Scheibenwelt ist eine
gewaltige Welt
Dass Gewalt in den Scheibenweltromanen eine nicht unerhebliche Rolle
spielt, ist keine Besonderheit sondern der Gattung angemessen. Das
Tragen von Waffen gehört hier wie in anderen Texten des Fantasygenres
zum Alltag. Bei Pratchett werden selbst Haarnadeln und Besenstiele
in den richtigen Händen zu tödlichen Waffen. Allerdings
bleibt Gewalt bei Pratchett meist nur ein Potential und wird selten
konkret ausgeübt und also dargestellt. Vielmehr besitzen die
meisten Figuren genug Verstand um einzuschätzen, ob sie als
Sieger oder Verlierer aus einer Konfrontation herausgehen würden.
Der Blick einer Hexe, das Auftreten von Samuel Mumm oder die bloße
Erwähnung einer möglichen Gewaltanwendung können
einen Konflikt beenden, ohne dass eine Waffe gezückt wird.
Kommen Leute gewaltsam zu Tode, werden die Umstände meist erst
im Nachhinein beschrieben. Die Anwendung von Gewalt behält
auf diese Weise in Pratchetts Erzählungen einen erschreckenden
und abweisenden Charakter. Der Tod selbst hingegen ist auch auf
der Scheibenwelt zuhause. Personifiziert in der Gestalt eines menschlichen
Skeletts und durch das Sprechen in GROSSBUCHSTABEN grafisch auffällig
herausgearbeitet stellt Tod eine in jedem Roman wiederkehrende Konstante
dar. Obwohl ihn nur Katzen und Zauberkundige sehen können,
begegnet er doch jedem mindestens einmal im Leben als das
personifizierte Ende jeder Existenz.
Im Bezug auf Terry Pratchetts Romane von der Scheibenwelt
ist indes noch kein Ende abzusehen. Eine treue und vermutlich wachsende
Fangemeinde beschert jedem neuen Buch einen Platz auf diversen Bestsellerlisten.
Seine Erzählungen werden zu Theaterstücken und Comicstrips
umgearbeitet, während selbst kleine Details die Aufmerksamkeit
von Liebhabern auf sich ziehen. Computer- und Brettspiele wurden
auf dem Hintergrund der Scheibenwelt gestaltet und im Zuge der anhaltenden
Fantasy-Begeisterung in den Kinos ist es nur noch eine Frage der
Zeit, wann eine Verfilmung des einen oder anderen Romans in Angriff
genommen wird. Ob es nun am Gefühl liegt, von den humorvollen
Erzählungen ein paar Stunden lang gut unterhalten zu werden,
an der Freude am Entdecken geschickt versteckter Anspielungen oder
auch andere Ursachen hat – die Scheibenweltromane sprechen
ein breites Publikum an und stellen mittlerweile einen nicht mehr
wegzudenkenden Teil der Fantasyliteratur dar
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Die Gefahr der Scheibenwelt.
Karin Haller über "Klonk"
Wer die Scheibenwelt Terry Pratchetts kennt, weiß,
dass "Klonk!" nichts anderes sein kann als das Geräusch,
das beim Aufprall einer Trollkeule auf einen Zwergenkopf entsteht.
So klang es damals in der historischen Schlacht von Koomtal. Und
niemand anderer weiß das besser als Sam Mumm, Polizei-Kommandeur
der Multi-Kulti-Metropole Ankh-Morpork. Sein Pech, dass es so aussieht,
als ob sich dieses Geräusch nun wiederholt hätte
mit letalen Folgen für einen stadtbekannten Zwerg. Mumm ist
herausgefordert, den Mord aufzuklären, und das so schnell wie
möglich schließlich tanzt er auf dem Vulkan eines
Bürgerkriegs. Dabei gerät er zwischen die Fronten der
beiden seit Jahrhunderten verfeindeten Gruppen der Zwerge und Trolle,
wird wechselseitig auf falsche Fährten geführt und muss
sich in Situationen behaupten, die stark an Begegnungen mit dem
Paten erinnern. Dass die ihm unterstellte Stadtwache auch nicht
gerade ein geordnetes Team darstellt, sondern einen bunt zusammengewürfelten
Haufen aus Menschen, Zwergen, Trollen, Vampiren, Werwölfen
und Wesen, von denen man nicht mit Bestimmtheit sagen kann, was
sie sind, erleichtert ihm die Ermittlungen nicht unbedingt. Und
vor allem: Um sechs Uhr abends muss er zu Hause sein. Seinem Sohn
"Wo ist die Kuh?" als Gute-Nacht-Geschichte vorlesen.
Terry Pratchett ist nicht umsonst einer der erfolgsreichsten Fantasy-Autoren
der Gegenwart. Auch sein 30. Scheibenwelt-Roman liest sich wie aus
einem Guss, sprüht vor hintergründigem Humor, Situationskomik
und satirischen Dialogen. Sein Spott macht vor nichts halt, da werden
große Themen der Weltpolitik Stichwort: verfeindete
Völker genauso aufs Korn genommen wie die ganz normalen
Probleme berufstätiger Väter. Die Figuren, die seine Scheibenwelt
bevölkern etwa die göttliche Oma Wetterwachs oder
der wunderbare Zauberer Rincewind aus früheren Romanen
sind Originale im wahrsten Sinn des Wortes. Mehr oder weniger durchgeknallt,
sehr eigenwillig, nicht mit den Maßstäben unserer Realität
zu messen. Die Scheibenwelt ist eben anders und wird nicht umsonst
von Elefanten getragen, die auf einer Schildkröte stehen. Dass
Pratchetts Figuren einem trotzdem oft mehr als bekannt vorkommen,
macht Sinn und viel von dem Spaß aus, dem man sich beim Lesen
nicht entziehen kann. Pratchett bietet Unterhaltungsliteratur vom
Feinsten. Mit doppeltem Sinn und doppeltem Boden. Die Gefahr, die
Scheibenwelt zu lieben, wenn man sie kennt, ist groß.
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© bei den AutorInnen
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Nikolas Rust, Fantasy-Fan, macht nach einem Studium
der evangelischen Theologie und Germanistik in Göttingen
eine Ausbildung zum Medizinischen Masseur in Wien.
Der Beitrag ist in 1000 und 1 Buch 1|2004 abgedruckt.
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Zur Besprechung von Klonk 
Zu Terry Pratchett bei Random House
( Autor und Werk, Linkliste)
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Karin Haller leitet das Institut für Jugendliteratur
in Wien  |
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