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Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis 2004
Rezensionen aller Bücher in der Rezensionsdatenbank  
 

 

 

Vincent Cuvellier (Text) | Candice Hayat (Ill.):
Die Busfahrerin

Wie für alle anderen ist die unattraktiv-unfreundliche Busfahrerin, die ihn täglich zur Schule bringt, für Benjamin ein Gräuel. Bis er eines Morgens im Bus einschläft und die beiden gezwungenermaßen einen Tag miteinander verbringen. Schritt für Schritt nähern sich der Junge und die sonderbare, sperrige Frau an einander an - aus ablehnender Fremdheit wird vorsichtige Zuneigung, aus ruppiger Distanz unsentimentale Nähe. Von Station zu Station gewinnt die Figur der Busfahrerin immer mehr Facetten, wird es langsam möglich, Gefühle zu zeigen. Das Innen hinter dem Außen. Ein gewagtes und durchwegs gelungenes Kinderbuchexperiment mit schrägen, comicartig überhöhten Schwarz-Weiß-Illustrationen, waghalsigem Layout und knappem, im Stakkato erzähltem Text. Vor allem aber ein differenzierter Blick auf menschliche Lebensentwürfe, der Individualität jenseits von Vorurteilen ernst nimmt.

Aus dem Französischen von Sigrid Laube

Wien: Jungbrunnen
ISBN: 3-7026-5752-5
96 Seiten, 10,80 Eur [D) 10,80 Eur(A)
ab 8 Jahren

 
           
 

 

Zum Beitrag: Dr. Deter – ein Arzt sieht rot

Doktor Deters Haus befindet sich im Belagerungszustand – über Regenrinnen und Strickleitern, Fenster und Türen drängen die Patienten zu ihm. Kein Wunder - macht er doch alle Menschen gesund. Seine Behandlungsmethoden sind zwar etwas ungewöhnlich - Fieber wird mit dem Fiebersauger herausgezogen, Ohrenentzündungen werden in Kisten im Keller deponiert - aber immer erfolgreich. Ein Heilender mit scheinbar unerschöpflichen Kräften, und doch auch Mensch mit Wutausbrüchen, Irrtümern und Müdigkeitsanfällen. Kurios – dynamisch in Szene gesetzt, fantastisch übersteigert, mit viel Lust am skurrilen Detail. Kleine Episoden jenseits von Logik und vordergründig pädagogischen Botschaften, die jedoch zwischen den Zeilen eine Vielzahl von fast philosophischen Fragestellungen aufwerfen.

Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler

St. Pölten: NP Buchverlag 2003
96 S.
€ 14,90
ab 9 Jahren

 
           
   

Beeindruckend neu und dabei herausfordernd in Sprache und Bild wird eine Geschichte weiblicher Identitätsfindung und auch kindlicher Selbstbestimmung erzählt. Auf zwei Erzählebenen vollzieht sich dieser Prozess: Das Mädchen Johanna ist alleine zu Hause, wartet voller Angst in der zunehmend unheimlich wirkenden Wohnung. Alte Märchen von Tante Ada gehen ihr durch den Kopf. Von den Königinnen c und d, die "eingeschloßt" in ihrer "hausefalle" ein schräges und skurriles Leben führen. Sie widersetzen sich mit ihrem genüsslichen "fraulenzen" dem Druck der herrschsüchtigen Königin der Macht: In skizzenhaften, kraftvollen Bildern heben sie sich in ihrer Eigenständigkeit vom weißen Hintergrund ab. Während die blasse Johanna beinahe in eben diesem Hintergrund und hinter ihrer Ausschneidepuppe verschwindet. Bis aufkommende Wut Johannas Sinn verändert. In einem emanzipatorischen Prozess beschließt sie, den Verlauf der alten Geschichte neu zu erzählen. So entsteht ein kluges vielschichtiges, zwar nicht unbedingt "gefälliges" aber dafür umso überzeugenderes Buch – auch über das Erzählen selbst.

Wien: Empirie Verlag 2003

€ 19,80
ab 12 Jahren

 
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Eingepackt in einen Trenchcoat, versteckt hinter einer uralten Zeitung mit Spionageloch, löst der vierzehnjährige Kreiner die ungewöhnlichsten Fälle – oder versucht es zumindest. Und nebenbei hat er auch noch mit allen Wirrungen zu kämpfen, die Pubertät und erste Liebe zu bieten haben. Auf aberwitzige Weise spielt diese Krimi-Parodie mit Sprache, Stilebenen und Verweisen auf allgemein bekannte Genremotive - ein ununterbrochenes Feuerwerk an Wort- und Satzkombinationen. Der permanente Wechsel zwischen den "realen" Ereignissen und der überschäumenden Einbildungskraft Kreiners zieht die LeserInnen in einen literarischen Mikrokosmos, der ständig überrascht und laufend amüsiert. Eine anspruchsvolle Lektüre, die einiges an Sattelfestigkeit in stilistischen und sprachlichen Spielereien voraussetzt und die Bereitschaft, sich auf einen hintergründigen Ideenreichtum einzulassen.

NP Verlag 2003

ISBN 3-85326-263-5
158 S., € 12,90
ab 13 Jahren

 
           
         
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Ballhaus´ Illustrationen interpretieren den aus dem Jahr 1993 stammenden Text völlig neu. Die sehr überlegt gewählten Farben verstärken die jeweilige Erzählatmosphäre – warmes Gelb als Hintergrundfarbe der Wohnung, in der die behinderte Margit sich geborgen fühlt, unaggressives doch intensives Rot bei der Gehsteigkante, an der die Rollstuhlfahrerin scheitert. Im beeindruckenden Spiel mit Kontrasten und Perspektiven manifestiert sich großes Einfühlungsvermögen in die Befindlichkeit der Protagonistin – sei es, wenn das Mädchen andere Menschen auf gleicher Sichthöhe nur bis zur Hüfte wahrnimmt oder diejenigen Dinge, die sich außerhalb ihrer Reichweite befinden, nicht ausgemalt, sondern nur in rot-blauen Umrissen dargestellt werden. Immer ist die Illustratorin an Margits Seite – auch dann, als Freundschaft und Mut auch Spaß und Dynamik in ihr Leben bringen. Eine unsentimental-subtile Annäherung an ein "problemorientiertes" Thema, technisch perfekt umgesetzt.

Wien: Annette Betz 2003

€ 12,95
Ab 4 Jahren

Heidi Lexe über "Meine Füße sind der Rollstuhl" in der Rubrik "Zeitlos" (1000 und 1 Buch 1|04)

 
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Ausgehend von konkreten Orten, Bauwerken oder Gegenständen werden Verbindungslinien zu den bekanntesten Wiener Sagen gezogen: Mythen, Sachinformationen und historische Lebenswelten verbinden sich in diesem aufwändig gestalteten Band bruchlos zu einer spannenden Hommage an Wien. Klare Strukturierungen, genaue Kennzeichnung der einzelnen Kapitel und ein Farbleitsystem ermöglichen die Orientierung in der Fülle der gebotenen Inhalte. So ist auch das "häppchenweise" Lesen je nach Interessenslage möglich. Auch die Sprache ist klar und verständlich ohne zu simplifizieren; die Themen wie das gut reproduzierte Bildmaterial sind durchwegs interessant und abwechslungsreich gewählt und vermitteln ein nachvollziehbares Bild von Veränderungen und Bleibendem. Hinter allem steht eine akribische Liebe zum Detail und ein umfassender Blick für die großen Zusammenhänge.

St. Pölten: NP Buchverlag 2003
176 S., € 19,900
Ab 10 Jahren

 
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Ganz der Motivik und der Erzähltradition englischer Kinderbuchklassiker verbunden, werden Geheimnisse einer verborgenen Welt kleiner Wesen gelüftet. Was es mit den "Heurekas" auf sich hat und welche Rolle sie im Zusammenhang mit bestimmten menschlichen Erfindungen und Entdeckungen spielen, ist in einen lustvollen Handlungsbogen hinein verwoben. Und auch der sich anfangs einsam und verloren fühlende Junge auf der Suche nach sich selbst und seinen Fähigkeiten fehlt nicht! Vor allem im Sprachrhythmus und in der Wiedergabe teils altmodischer Sprechweise gelingt es der Übersetzerin ganz hervorragend, die LeserInnen atmosphärisch in eine märchenhaft phantastische Welt hinein zu holen. Hier ist es besonders die unspektakulär souveräne Leistung und die geduldige Präzision auf so vielen Seiten, mit der sich die Meisterschaft der Übersetzung erweist.

München: Deutscher Taschenbuchverlag 2003
376 S., € 10,30
Ab 10 Jahren

 
           
         
   

Ein fast bis zur Unübersichtlichkeit gesteigertes Sammelsurium aus verdrehten, gewendeten und geschüttelten Reimen, Buchstabenbergen und Wortkaskaden – in einer lustvoll chaotischen Ordnung gehalten ausschließlich durch eine bildgebende Grafik höchster Perfektion. Da werden einmal motivisch durchgängige Doppelseiten einem einzigen kurzen Reim gewidmet – "Träumen" – dann wieder wird ein Stil-Stakkato inszeniert, in dem kleine gerahmte Bildchen und Collagen farblich hinterlegte Textfolgen begleiten und dabei in sprachspielerischer Tradition dem Alphabet folgen: Von "achtzehn Affenjungen" bis zum Liebesbrief des Zahnstocherfabrikanten Zeppelin Zitterrochen an seine zartbesaitete Zita.

St. Pölten: NP Buchverlag 2003

126 S., € 18,90
Ab 7 und zum Vorlesen ab 4 Jahren

 
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Eine weitere Fortsetzung der Geschichten von Frauchen und ihrem Hund Orlando – diesmal allerdings in einem furiosen Ablauf, der den Aufstand der Dinge zum Inhalt hat. Denn manchmal hat es den Anschein, dass Tische weglaufen, Eisschränke den Inhalt aufessen, Stühle zwicken, Balkone Blumentöpfe verschieben und sogar die Kleider nicht warten, bis man sie aus dem Schrank nimmt. Nahaufnahmen stehen neben Überblicksszenen, je nach Tempo wechseln Leserichtung und Größe der Bildkader und dokumentieren das unausweichliche Chaos, Text- und Zahlencollagen mischen sich ein. Ein Slapstick pro Doppelseite wird als Bildfolge vorgeführt: "Wie im Film" folgen die BetrachterInnen der Dynamik des Geschehens, das unaufhaltsam dem jeweiligen Höhepunkt entgegensteuert – bis endlich der erlösende Wecker den Traum beendet.

Wien: Picus 2003

32S., € 14,90
Ab 4 Jahren

 
           

 

 

Eines Nachmittags spaziert die seltsame Alte einfach bei dem kleinen Mädchen herein, holt eine Schnur hervor und es beginnt das uralte Spiel: Mit dem Abnehmen des Fadens wird hier aber auch das Wort an sich genommen, fängt die eine sich selbst und befreit die andere. Symbolisiert durch das Fadenspiel und getragen von vorsichtigen, tastenden Fragen und Dialogen entwickelt sich eine bestechende Kommunikation zwischen Alt und Jung, Hexe und Opfer, Märchen und Realität. Vor einfachen Farbtableaus spielen die beiden Hauptfiguren ihr Spiel von Nähe und Ferne, während sich die Zeit unmerklich zu verlangsamen scheint. Ein Buch, dessen Zauber feiner, unspektakulärer Erzähllinien und Bilder sich erst auf den zweiten Blick ganz eröffnet.

St. Pölten: NP Buchverlag 2003

32 S., € 14,90
Ab 6 Jahren

 
           
   

Velasquez' berühmtes Porträt von der strahlend hübschen Infantin von Spanien wird zum Erzählanlass für die Lebensgeschichte des zwergenwüchsigen Jungen Bartolomé, der durch eigenwillige Zufälle am königlichen Hof der Infantin als lebendes Spielzeug in Verkleidung eines "Menschenhundes" dienen soll. Allen ihren Launen und abgrundtiefer Menschenverachtung ausgesetzt, immer wieder in akuter Lebensbedrohung, findet er sich zu guter Letzt in der Obhut der Hofmaler, die sein außergewöhnliches Maltalent entdecken und ihn in die Gilde aufnehmen. In schlichter und realitätsbezogener Sprache zeichnet von Kooij die schillernde Atmosphäre jener Zeit.

Wien: Jungbrunnen 2003

180 S., € 14,40

 
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In witziger Weise erzählt Franz Zauleck von einem schwarzen Kalb Olga, das unter lauter weißen Kühen als verspottete Außenseiterin leben muss. Als Olga in Anbetracht einer guten Fee ihre Chance für gekommen sieht, setzt sie für drei Wünsche ihren Gummipropeller ein. Aber wie so oft im Märchen: Die Schwierigkeiten häufen sich und die drei Wünsche bringen sie mit knapper Not an die Ausgangsposition zurück: Denn wo Toleranz erlernt werden muss, da hilft das bloße Wünschen kaum! Neben dieser "erzieherisch wertvollen" Botschaft hat Franz Zauleck aber vor allem unernste spielerische Lust zu Buche gebracht, mit der er seine Figuren bewegt und beschäftigt, ihnen Accessoires beistellt und zusätzliche Geschichten in den Bildern erzählt.

Wien: Jungbrunnen 2003

40 S., € 15,20
Ab 5 Jahren

 
           
   

Inge Cevela, Leiterin der Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur, Wien
Dr. Reinhard Ehgartner, Lektor beim Österreichischen Bibliothekswerk, Salzburg
Mag. Gerhard Falschlehner, Geschäftsführer des Buchklubs der Jugend, Wien
Nikolaus Glattauer, Autor, Wien
Mag. Karin Haller, Direktorin des Institutes für Jugendliteratur, Wien
Mag. Silke Rabus, Mitarbeiterin im Büchereiverband Österreichs, Wien
Dr. Ernst Seibert, Lehrbeauftragter für Kinder- und Jugendliteratur am Institut für Germanistik der Universität Wien
Elisabeth Sisko, Lehrerin, Gleisdorf
Heinz Wagner, Journalist beim Kurier, Wien
Vorsitz: Dr. Robert Stocker, Leiter der Abteilung für Literatur und Verlagswesen im Bundeskanzleramt
Koordination: Mag.Dr. Sabine Fuchs / Anna Doppler, Mitarbeiterinnen der Abteilung für Literatur und Verlagswesen
Gutachter/innen Übersetzung: Prof. Dr. Herbert Van Uffelen / Dr. Brigitte Haller / Mag. Soraya Wimmer-Azizi

   

 

   
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