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Österreichischer Kinder- und
Jugendbuchpreis 2005
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Kinder- und Jugendbuchpreise |
Rezensionen in der Rezensionsdatenbank
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Georg Bydlinski (Text) | Jens Rassmus (Ill.):
Der Zapperdockel und der Wock
Es gibt so Tage, an denen man besser erst gar nicht
aufgestanden wäre. Und immer dann kommt ausgerechnet auch noch so ein
Flegel daher und knallt einem seinen ganzen Missmut in die Seele. Und
schon steht man da - genau wie der Zapperdockel: Abgestürzt vom schmalen
Grat durchschnittlicher Zufriedenheit fließen ihm die Tränen über den
eben noch schwungvoll gezwirbelten, orangeroten Schnurrbart. Und während
der von seiner eigenen Übellaunigkeit ganz blau gefärbte Wock weitere
Unfreundlichkeiten von sich gibt, bildet sich um den gelb gekränkten Zapperdockel
ein großflächiger Tränensee - von Jens Rassmus mit Tusche und Feder zu
eigenem Leben als Mikrokosmos erweckt, in dem sich im Nu ein detailreiches
Bilderbuch-Biotop entwickelt. Doch was so konfliktträchtig beginnt, entwickelt
sich in freundschaftlicher Aufmerksamkeit, als der Wock die Traurigkeit
des Zapperdockel wahrnimmt und dessen poetische Ader durchschimmern sieht:
"Das Leben ist so traurig wie ein schwarzer Stein." Oder ist das Leben
doch eher wie ein knallroter Gartenschlauch? Oder wie ein gelbes Windrad?
Georg Bydlinskis sprachspielerische und der Poesie verbundene Schreibweise,
für die er bereits 2001 mit dem Staatspreis für Kinderlyrik ausgezeichnet
wurde, kommt in seiner zapperdockeligen Bilderbuchfigur letztlich zu identitätsfördernder
Geltung. Trotz der großen Seelendramatik erzählen beide Künstler ohne
falsche Sentimentalität. Mit Witz und Charme. Und Moral.
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Wien: Dachs 2004
ISBN 3-851-91322-1
32 Seiten
€ 14,30
ab 5 Jahren
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Karla Schneider (Text) | Stefanie Harjes (Ill.):
Die Häuser der Selma Khnopff
"Ich ziehe um", beschließt die extravagante Schnecke
Selma Khnopff: "Was Besseres finde ich jederzeit". Die Suche nach einem
neuen Haus wird zur Suche nach neuen Facetten ihrer Persönlichkeit. Nacheinander
werden Fingerhut-Zelt, Hochhaus, Walnuss-Panzer, Erdloch und ein auf dem
Wasser treibendes Seerosen-Blatt ausprobiert und wieder verworfen. Auf
ein Neues: "Nur wer nie was riskiert, macht keine Fehler." Was sie mit
ihren jeweiligen Häusern erlebt, welchen Figuren sie begegnet und in welche
Situationen sie gerät, ist ein Feuerwerk aus Fantasie und Originalität,
das mit großem stilistischen Können und viel Witz umgesetzt wird. Karla
Schneider erzählt in kurzen, punktgenauen Sätzen, in sprachlich dichten
Bildern. Spannend, leicht, mit feinsinnigem Humor. Das gilt auch für die
Illustrationen in Collagetechnik. Stefanie Harjes spart nicht mit Farben,
die sie in großzügig ausgebreiteten Bildräumen intensiv-eigenwillig zusammenstellt:
Bilder, die mit vielen einfallsreichen Details jenseits der Erzählebene
aufwarten. Selma changiert zwischen Kreativität, dem Glauben an das Recht
auf Utopien, Sturheit, Eitelkeit und dem Selbstbewusstsein einer Königin.
Letzteres zeigt sie vor allem, wenn es um Käfer Hugo Willumsen geht, der
sie am Ende vor dem Ertrinken rettet und möglicherweise ihre Suche beendet
- hat er doch auch ein Haus. Ob sie sich in seine Schwimmflügel bewehrten
Arme begibt, bleibt offen - schließlich willigt Selma nur großmütig ein,
sich sein Haus zeigen zu lassen. Denn für sie gilt nur ein Motto: never
take second best. Was für eine Botschaft für junge LeserInnen!
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St. Pölten: NP Buchverlag 2004
ISBN 3-85326-290-2
42 S.
€ 14,90
ab 5 Jahren
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Marjaleena Lembcke (Text) | Sybille Hein (Ill.):
Ein Märchen ist ein Märchen ist ein Märchen
Die Autorin hat offensichtlich ihren Pirandello gelesen.
Unverkennbar sind die Parallelen zum bekanntesten Stück des Nobelpreisträgers
"Sechs Personen suchen einen Autor". Auch bei Lembcke macht sich eine
Familie auf, um den unter einer Schreibblockade leidenden Autor, dem sie
ihre Existenz verdanken, zum Weiterschreiben zu bewegen. Nur besteht ihre
Familie eben aus König, Königin und Prinzessin. Dem jungen Leser wird
die Pirandello-Konjunktion egal sein, was er aber wahrscheinlich schätzt,
ist das lustvolle Spiel mit bekannten Märchenmotiven und -figuren, die
grundsätzliche Idee, dass literarisch erdachte Figuren sich verselbständigen
und ein Eigenleben entwickeln. Die - schon im Titel signalisierte - spiralförmige
Verflochtenheit von Realität und Fiktion bietet eine Fülle von köstlichen
Situationen und Dialogen. Wenn die Königsfamilie aus einem Märchen in
einem Warenhaus der Gegenwart landet, wünscht sich auch eine Prinzessin
Jeans. Ganz mühelos stolpern Figuren aus anderen literarischen Stoffen
in die Geschichte, mischen mit, werden ganze Märchen erzählt, wird laut
über den Umgang mit Sprache und über das Erzählen nachgedacht, und all
das liest sich so flüssig und spielerisch und komisch, dass es gar nicht
auffällt, dass da eigentlich eine recht komplexe Auseinandersetzung mit
Literatur und Literarizität stattfindet. Die Illustratorin Sybille Hein,
die den Text mit ihren scharf konturierten Farbillustrationen begleitet,
wurde sehr passend ausgewählt, entsprechen die Zeichnungen in ihrem Witz
und ihrer Leichtigkeit doch genau dem Grundton der Erzählung. Ein ganz
besonderes Kinderbuch voller Humor und Tiefgang, das nicht nur die Fantasie
zum Thema hat, sondern dieser auch ganz viel Spielraum lässt. Alles ist
und bleibt offen. Denn schließlich weiß auch am Ende niemand, was geschehen
wird: "Der Schriftsteller hat sich noch nicht entschieden. Wer in diesem
Märchen lebt, wird es erleben."
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St. Pölten: NP Buchverlag 2004
ISBN 3-85326-285-6
124 S.
€ 16,90
ab 8 Jahren
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Hubert Schirneck (Text) / Melanie Kemmler (Ill.): Flaschenpost
für Papa
In unserer Zeit ständig verfüg- und unaufschiebbarer
Kommunikation über Inter- und Mobilnet wirken Briefe bereits anachronistisch
- und gar erst Flaschenpost! Doch Hannas Vater ist Meeresforscher und
da ist eben manches anders. Hannas Sehnsucht nach ihrem Vater ist ungefähr
gleich groß wie ihre Lust, zu erfinden, zu fabulieren, nachzudenken und
über die sehr ungewöhnlichen Krankheiten zu berichten, für die ihre Mutter
Fachärztin, sie selbst aber kompetente Beraterin ist. In ihren Flaschenpostbriefen
versucht Hanna, ihrem Alltag und seinen Ungereimtheiten auf den Grund
zu gehen. Hanna wählt also die Fantasie - und der Autor eine Sprache der
Melancholie, die er, bevor uns Traurigkeit fangen kann, immer wieder im
Wortspiel zu zerstreuen vermag, im Wortgeplänkel. Das in den Humor führt,
wo Ernsthaftigkeit allein nicht ausreicht. Hubert Schirneck selbst legt
Wert auf diese Ernsthaftigkeit im Umgang mit Kindern, Action hätten sie
überall sonst ohnehin genug, betont er im Zusammenhang mit seinen gesprächsintensiven
Lesungen. Die in den Texten spürbare Sehnsucht wird noch verstärkt in
den Bildern der in Hamburg lebenden Illustratorin Melanie Kemmler. Sie
spielt mit Licht und Schatten, mit Perspektiven und Absurditäten, erzeugt
Spannung und Komik innerhalb ihrer Bildrahmen. Nichts, das es nicht gäbe,
ist abgebildet; die surreale Anordnung aber hat genügend Sprengkraft,
um die Wirklichkeit aus den banalen Fugen geraten zu lassen.
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St. Pölten: NP Buchverlag 2004
ISBN 3-853-26278-3
64 S.
€ 14,90
ab 9 Jahren
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Ehrenliste |
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Adelheid Dahimène (Text) | Heide Stöllinger
(Ill.): Schnell, Rudi, schnell!
Rudis ursprüngliche Aufgabe, Butter zu holen, löst
eine Kettenreaktion unvorhergesehener Ereignisse aus, bei denen er von
einem Auftrag zum nächsten schlittert. Illustrationen und Text lassen
dieses Slapstick-Bilderbuch wie das Storyboard zu einem Film ablaufen.
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Wien: Picus 2004
ISBN 3-85452-875-2
40 S., € 14,90
Ab 4 Jahren
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Marco Carrara (Text) | Chiara Carrer (Ill.): Arifs Schatz
Wer sich auf den Weg macht, um einen Schatz zu finden,
findet ihn zu Hause bei seinen Freunden. Leuchtend bunte, collagierte
Illustrationen begleiten das in rätselhafter Schnörkelschrift erzählte
orientalische Märchen.
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Aus dem Italienischen von Alexander Potyka
Wien: Picus 2004
ISBN 3-85452-877-9
32 S., € 14,90
Ab 5 Jahren
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Helga Bansch: Frau Bund und Hund
In trauter Zweisamkeit lebt Frau Bund glücklich mit
ihrem Hund Bodo - bis dieser tagelang mit einer Hundedame verschwindet.
Glücklicherweise bekommt Frau Bund auf der Suche nach ihm Hilfe von ihrem
Nachbarn. Bis zum Happyend, das zwei Paare zu bieten hat.
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Wien: Jungbrunnen 2004 ISBN 3-702-65754-1
32 S., € 13,40
Ab 5 Jahren
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Heinz Janisch (Text) | Sabine Wiemers (Ill.): Ein ganz
gewöhnlicher Montag
Für Alfred ist der Montagmorgen anders als für alle
anderen: Für ihn stehen die Bäume auf dem Schulweg Kopf oder ein Raumschiff
landet auf dem Gehsteig. Nur die Erwachsenen sehen gar nichts. Bemerkenswerte
collagierte Illustrationen erzählen die Geschichte über die Kraft der
Fantasie in feiner Ironie mit.
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Wien: Betz 2004
ISBN 3-219-11122-X
24 S., € 12,95
Ab 5 Jahren
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Elisabeth Reichart: Lauras Plan
Mit allen Mitteln will die elfjährige Laura den Verkauf
des alten schiefen Hauses der verstorbenen Großmutter verhindern. An schlauen
Plänen und aberwitzigen Einfällen mangelt es dem selbstbewussten Mädchen
dabei nicht.
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St. Pölten: NP Buchverlag 2004
ISBN 3-853-26281-3
128 S., € 12,90
Ab 9 Jahren
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Andrew Clements: Frindel oder die Kunst, ein Wort neu
zu erfinden
Der clevere Nick hat besonderen Spaß daran, die Lehrer
mit geschickten Fragen von ihrem Unterricht abzuhalten. Doch seine neue
Englischlehrerin Mrs. Granger lässt ihn über seine Frage nach der Herkunft
von Wörtern referieren. Was dazu führt, dass fortan in der ganzen Stadt
statt "Kugelschreiber" nur noch das Wort "Frindel" verwendet wird.
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Aus dem amerikan. Engl. von Michael Krieger
Wien: Ueberreuter 2004
ISBN 3-8000-5048-X
110 S., € 10,95
Ab 10 Jahren
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Uschi Flacke: Hannah und der Schwarzkünstler Faust
Die gut recherchierte Lebensgeschichte des historischen
Faust wird hier aus der Sicht des Mädchens Hannah rekonstruiert: Als Knabe
verkleidet begleitet sie Faust durch Jahre hindurch. Eindrucksvoll entfalten
sich Zeitkolorit und die faszinierende Aura des Magiers.
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Wien: Ueberreuter 2004
ISBN 3-8000-5102-8
262 S., € 16,95
Ab 12 Jahren
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Patrice Kindl: Verloren im Labyrinth
Spannende Variation der griechischen Sage um Ariadne
und den Minotaurus mit der 14jährigen Xenodike als Ich-Erzählerin. Darin
spielt nicht nur die erste Liebe eine Rolle, sondern auch eine dominante
ältere Schwester und ein Bruder, der zuwenig Zuwendung bekommt.
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Aus dem amerikan. Engl. von Ingrid Weixelbaumer
München: dtv 2004
ISBN 3-423-70871-9
208 S., € 8,30
Ab 12 Jahren
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Walter Kohl: fuck off Koff
Ein Teufelskreis des Scheiterns führt einen jugendlichen
Einzelgänger bis zum Selbstmordversuch. Aus zwei Perspektiven - aus der
Koffs und seiner Freundin Ibby - erzählt, dokumentiert dieser mutige Jugendroman
die Schwierigkeit, miteinander wirklich zu kommunizieren.
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Hamburg: Oetinger 2004
ISBN 3-7891-4017-1
112 S., € 9,80 Ab 13 Jahren
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Gregor Tessnow: Knallhart
Eigentlich will sich der 15jährige Michael Pollischka
nur vor der Verfolgung seines Mitschülers Eroll und dessen Bande retten,
doch für den Schutz des älteren Hamal zahlt er einen hohen Preis: Als
Drogenkurier gerät er unaufhaltsam in eine Spirale der Gewalt und Kriminalität
- bis hin zum Mord.
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Wien: Ueberreuter 2004
ISBN 3-8000-5078-1
156 S., € 12,95
Ab 13 Jahren
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Jury
Inge Cevela, Leiterin der Studien- und Beratungsstelle
für Kinder- und Jugendliteratur, Wien Mag. Gerhard Falschlehner, Geschäftsführer
des Buchklubs der Jugend, Wien Nikolaus Glattauer, Autor, Wien Mag. Karin
Haller, Direktorin des Institutes für Jugendliteratur, Wien Mag. Silke
Rabus, Mitarbeiterin im Büchereiverband Österreichs, Wien Univ.-Doz. Dr.
Ernst Seibert, Lehrbeauftragter für Kinder- und Jugendliteratur am Institut
für Germanistik der Universität Wien Elisabeth Sisko, Lehrerin, Gleisdorf
Heinz Wagner, Journalist beim Kurier, Wien
Vorsitz: Dr. Robert Stocker, Leiter der Abteilung
für Literatur und Verlagswesen im Bundeskanzleramt Koordination: Mag.
Dr. Sabine Fuchs, Anna Doppler, Mitarbeiterinnen der Abteilung für Literatur
und Verlagswesen im Bundeskanzleramt
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