Zurück zur Bibliothek

Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis 2006
Rezensionen aller Bücher in der Rezensionsdatenbank  
 

 

 

Linda Wolfsgruber:
Zwei x Zwirn. Ein Buchstabenspiel

Als Zippo, der Heftzwirn, einen Sehnsuchts- und Liebesbrief von Zampano, der kleinen Zwirnspule bekommt, sind die Schuhe rasch zugebunden, der Aufbruch gewagt: „Über Zaun und Ziegelstein, über Zabern, Zagreb, Znaim“ wickelt sich der Zwirn auf seinem Weg zu Zampano durch abenteuerlich collagierte Buchseiten und legt seinen Faden durch die Geschichte: von links nach rechts, mit vielem auf und ab reist er auf der Zitrone mit einem Zwetschgenzug und quert das Zinnoberrot, was in ein überraschend gereimtes Zornverbot führt! Ganz zu schweigen von den Zillertaler Alpen, die Zippo über den schwierig geschnittenen Grat einer steil aufgeklebten Landkarte überwinden wird, um vor dem Zapfenstreich im Zarenreich – also ca. 22:00 Uhr – anzukommen. Und noch lange ist nicht genug der Alliterationen, noch ist der Faden nicht zu Ende, das Zauberreich der Fantasie birgt ebenso noch Überraschungen wie der Einfallsreichtum der Künstlerin, die im spielerisch wirkenden Umgang der Technik des Collagierens, Kopierens und der Papierbearbeitung ästhetische Höhepunkte abgewinnt. Mit den mit Pinsel und Stempel eingefügten Z-Wörtern wird die an sich textlose Nonsense-Geschichte zum sprachspielerischen Rätselgenuss und die Bildbetrachtung zur Entdeckungsreise für Kinder und alle folgenden Altersstufen.


Düsseldorf: Sauerländer-Patmos 2005

28 S., € 14,30
Ab 5 Jahren
 
           
 

 

 

Ihren siebenten Geburtstag feiert Jenny bei ihrem Vater. Die Trennung der Eltern liegt erst ein Jahr zurück. Und sich unter den veränderten Umständen wieder zu begegnen, löst nach wie vor ein Gefühls-Durcheinander aus: Freudige Erwartung und Nervosität, ängstliche Anspannung oder Klärung von Beziehungsfragen – die Rollen haben sich für Vater und Tochter verändert. Außergewöhnlich, wie die Perspektive von beiden klar, verständlich und nachvollziehbar in Wort und Bild umgesetzt wird! Da kann im Lauf der Geschichte der Vater seiner Tochter die Angst nehmen, dass sie Mitschuld an der Trennung der Eltern tragen könnte. Und Jenny kann ihrem Vater vermitteln, dass sie sich nicht von ihm abwenden wird und dass er für sie nicht nur irgendein bedrückt wirkender Mann ist, der als Vater bloß noch auf dem Papier steht - als „zerknitterten Papiervater“ zeichnet ihn Christine Aebi. So wie sich die Geschichte überhaupt erst in ihrer ganzen gefühlsmäßigen und psychologisch fein abgestimmten Tiefe vor allem über die Illustration erschließt, die in den dynamisch aufgetragenen, färbigen Hintergrund grafische Elemente einbaut oder die Vaterfigur ähnlich einer Ausschneidepuppe zu zweidimensionalem Leben erweckt und mit Klebestreifen festhalten will. Auf einer Doppelseite neben- und übereinander gestellte Szenen geben anschaulich Jennys Versuch wieder, sich in die Überlegungen und Sorgen ihres Vaters einzufühlen. Zu guter Letzt sind Sorgen und Zweifel ausgesprochen, ein tolles Geburtstagsfest ist doch noch zustande gekommen und Jenny, sieben, weiß selbstbewusst: „Die Welt kann kommen.“

Gumpoldskirchen, Wien: de'A Panoptikum 2005

44 S., € 23,50
Ab 6 Jahren
 
           
   

Nach dem Tod seines Vaters heuert Jan als Kajütenjunge auf der Batavia, einem Flagschiff der Ostindischen Kompanie an. Sie wird Indien nie erreichen - vor der Küste Australiens läuft die Batavia auf ein Riff auf und sinkt. Unter der Führung des skrupellosen Machtmenschen Cornelis errichtet eine Gruppe von Meuterern eine Diktatur des Schreckens, in deren Gewaltspirale sich auch Jan als hilfloser Spielball des Unterkaufmanns immer mehr verstrickt. Der Text, der auf akribisch recherchierten historischen Tatsachen fußt, gibt einen überzeugenden Einblick in die rigide Hierarchie der Niederlande des 17.Jahrhunderts und in den Alltag auf einem Segelschiff. Im erzählerischen Schwung eines klassischen Abenteuer-Romans bringt die Autorin eine spannende Auseinandersetzung mit Macht- und Unterdrückungsmechanismen und den seelischen Abgründen, die sich im Kampf ums Überleben auftun können. Die Spannung ergibt sich nicht nur aus den realen Ereignissen wie etwa dem Schiffsunglück, sondern aus der persönlichen Entwicklung des Protagonisten. Erst ganz am Ende ist er dazu fähig, bewusste eigene Entscheidungen zu treffen. Geschickt und glaubwürdig werden die zwiespältigen Gefühle Jans deutlich, werden seine Handlungen weder moralisch verurteilt noch leichtfertig entschuldigt. Jan wird zum Mörder – und bleibt dennoch bis zum Schluss positiv besetzt. Eine jugendliterarische Seltenheit.

Wien: Jungbrunnen 2005
288 S., € 16,90
Ab 13 Jahren

 

 

 
           
   

Was kann und tut das Licht – in der Natur, am Himmel, auf den Straßen, in den Wohnungen? Gibt es Laserschwerter wirklich? Können Pflanzen einen Sonnenbrand bekommen? Bei dieser Entdeckungsreise geht einem so manches Licht auf: Vielerlei Wissens-Aspekte aus den Bereichen Geographie, Physik, Chemie, Biologie, Geschichte und Literatur schließen immer wieder auch an die unmittelbare Lebenswelt der LeserInnen an. Dieser große Abwechslungsreichtum wird durch die Kombination unterschiedlicher Textsorten unterstützt: kurze Info-Blöcke zu einzelnen Begriffen, längere Beiträge zu komplexeren Fragen, Erklärungen zu Sprichwörtern und Redewendungen und Anleitungen zur Durchführung eigener Experimente. Das großzügige Layout lässt den umfassenden Informationen auch den nötigen Schau-Raum; anschauliches Bildmaterial – Fotografien, Illustrationen und klare Skizzen – verstärkt den Gesamteindruck eines eigenständigen, jenseits des Einheits-Sachbuchmarktes stehenden Ausnahmefalles: Spannend, informativ und schön anzuschauen.

St. Pölten, Wien, Salzburg: NP Buchverlag 2005

112 S., € 18,90
Ab 10 Jahren
 
        nach oben  
         
   

Diese zu den weniger bekannten Andersen-Märchen zählende, fast absurd anmutende Lebensgeschichte eines Halskragens wird für Linda Wolfsgruber zum Anlass, ihre erstaunliche Vielfalt im künstlerischen Ausdruck in einem postmodern assoziativen Spiel einmal mehr unter Beweis zu stellen.


Weitra: Bibliothek der Provinz 2005

72 S., € 20,00. Für jedes Alter
 
           
   

Benjamin versorgt seinen Mitschüler Charles, den Außenseitertyp schlechthin, während dessen Rekonvaleszenz mit Hausübungen – und langsam entwickelt sich eine unspektakuläre Beziehung zwischen den beiden. Eine humorvoll-poetische, schlicht erzählte Freundschaftsgeschichte mit eigenwilligen Schwarz-Weiß-Illustrationen.

Wien: Jungbrunnen 2005

88 S., € 12,50. Ab 7 Jahren
 
           

 

 

In wunderschöner buchgestalterischer Aufmachung stellt dieser Lyrikband den gelungenen Versuch dar, aus der Hektik des Alltags heraus zu treten und bewusst auf Klänge, Gerüche und Gefühle des Lebens zu achten. Wolfsgruber greift dabei das Wörtliche und Assoziative bei Janisch auf und übersetzt es in bildende Kunst.

Wien: Jungbrunnen 2005, 96 S.

€ 13,90. Ab 7 Jahren
 
           
   

In Grundfarbe und Charakter verschieden werden die Wochentage auf je einer Doppelseite in all ihrer Besonderheit vorgestellt – gemeinsam ist ihnen nur, dass der an sich sympathische Tageschlucker sie vergehen lässt. Nur die Menschen müssen inmitten ihrer Jagd nach Zeit auch noch den Wert der Zeit begreifen lernen

Wien, München: Annette Betz 2005, 26 S.

€ 12,95. Ab 5 Jahren
 
        nach oben  

 

 

Ihr reiches Wissen über die große Zeit der Pariser Salons und der dort verkehrenden Menschen hat die Autorin in eine spannungsreich zu lesende, intrigante Verwicklung rund um das Mädchen Marguerite meisterlich zusammengefasst und dabei ein großartiges Zeitgemälde entworfen.

Wien: Jungbrunnen 2005, 270 S.
€ 16,90. Ab 13 Jahren

 

 
           

 

 

Hemmungslos tanzen die drei Prinzessinnen ihrem königlichen Vater und dem stockfischigen Brautwerber Prinz Waldomir auf der Nase herum und machen sich auf und davon zur Drachenjagd. Eine zauberhafte Märchenpersiflage, die das Prinzessinnenbild genauso wie den Zickenkrieg unter Schwestern ironisiert.

Wien: Dachs-Verlag 2005

44 S., € 12,90. Ab 7 Jahren
 
           

 

 

Von einem Storch aus seinem Paradies vertrieben, will sich Frosch Boris eine neue Bleibe suchen, trifft in Karpfenteich, Krötenwasser und Entenweiher aber nur auf andere intolerante Tiere. Erst als er den Storch überlistet, kann Boris wieder zu seinem Seerosenblatt zurückkehren. Eine farbkräftig illustrierte Parabel über Flucht, Asyl und Heimat.

St. Pölten, Wien, Salzburg: NP Buchverlag 2005

32 S., € 14,90. Ab 4 Jahren
 
           

 

 

Beeindruckende Parabel über die Schwierigkeit des richtigen Wünschens, wenn es um die beste Figur geht. Was zuvor zu spitz, zu rund oder zu eckig erschien, wird aufgepolstert, abgekantet, zugespitzt … Kein Happy end in Sicht!

St. Pölten, Wien, Salzburg:
NP Buchverlag 2005

32 S., € 9,90. Für jedes Alter
 
           

 

 

Unversehens schlüpft aus einem Ei eine winzige Prinzessin, und der alte Balthasar wird über Nacht zum Vater – nein, zum König, der sein Schloss suchen muss. Dialogreich-pointierter Text und collagierte Illustrationen fügen sich zu einem Kinderbuch, das in seiner überzeugenden spielerischen Absichtslosigkeit mit viel Phantasie und Komik bezaubert.

Wien:
Jungbrunnen 2005

28 S.€ 13,90. Ab 5 Jahren
 
           

 

 

Spannender Science-Fiction-Roman in einer Welt ohne Menschen – die einzigen Überlebenden sind kleinwüchsige geschlechtslose Klone. Zwei davon machen sich auf die abenteuerliche Suche nach ihren Ursprüngen, um das Rätsel ihrer Herkunft und der vergangenen Ereignisse zu lösen. Dabei werden sie verfolgt …

Wien:
Ueberreuter 2005

252 S., € 14,95. Ab 14 Jahren
 
           
   

Inge Cevela, Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur, Wien
Mag. Gerhard Falschlehner, Buchklub der Jugend, Wien
Mag. Severin Filek, Design Austria, Wien
Nikolaus Glattauer, Autor, Wien
Mag. Karin Haller, Institut für Jugendliteratur, Wien
Mag. Barbara Pichler- Hausegger, ORF
Elisabeth Sisko, Lehrerin, Gleisdorf
Vorsitz: Dr. Robert Stocker, Leiter der Abteilung für Literatur und Verlagswesen im Bundeskanzleramt

   

 

   
Zurück zur den News
Zurück zu den Preisen
nach oben