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Lilly Axster (Text) | Christine Aebi (Ill.):
Wenn ich groß bin, will ich fraulenzen
Auf herausfordernde Art wird in diesem Bilderbuch auf vorerst zwei Ebenen
vom Prozess weiblicher und kindlicher Selbstbestimmung erzählt: Johanna
ergeht es an Nachmittagen wie diesem ähnlich wie den beiden königinnen
c und d, von denen Großtante Ada immer erzählt hat.
Johanna fühlt sich einsam in der leeren und zunehmend unheimlich
wirkenden Wohnung und auch die königinnen empfinden ihr Dasein als
fremdbestimmt: eingeschloßt sind
sie, in der hausefalle. Doch immerhin
die beiden königinnen fraulenzen
und widersetzen sich damit den Welt- und Wertvorstellungen der Königin
der Macht.
Illustratorin Christine Aebi unterscheidet die jeweils doppelseitig ausgestalteten
Erzählebenen, indem sie eine blässliche-weiße Johanna
vor wild und knallig ausgemalten Hintergrund stellt, die beiden königinnen
aber als bunte Mal-Bilder auf weißes Papier setzt. Invertierte Welten
also, die den Kontrast der innerhalb der Märchenebene sich verfestigenden
Hierarchien noch verstärken: Die Welt der Königin der Macht,
die vor ihrem Spiegel steht und nach ihrer Einzigartigkeit fragt, ist
klar strukturiert und in Schriftsprache aus-erzählt, während
sich die Welt der beiden fraulenzenden königinnen im Stil aufgelöster
Sprachlogik präsentiert: Lustvoll werden Worte verdreht und neu geschöpft,
werden Buchstaben vertauscht, werden Wortfragmente in neuem Sinnzusammenhang
präsentiert und semiotisch stets knapp aber deutlich daneben liegende
Formulierungen verwendet. Denn: wer glaubt,
uns wäre bangst und zange, ist schließlich selber unstücklich.
In Johannas Vorstellung beginnen die beiden Ebenen ineinander überzugreifen
bis zu jenem Moment, in dem Johanna sich gegen die Autorität
des von Großtante Ada vorgegebenen Märchens entscheidet und
den Verlauf der von ihr imaginierten Geschichte nun auch selbst festlegt.
keine macht der welt darf sich so aufköniglichen,
dass Johanna nicht über sich selbst bestimmen dürfte. Sie tritt
hinter ihrer Puppe (die in Form einer Ausschneidefigur illustratorisch
wie eine Schutzhülle vor Johanna gestellt wird) hervor und erfindet
die beiden königinnen neu. Reaktionäres
Denken wird unterlaufen und die Geschichte der Königin der
Macht gerät ganz den Gesetzen des Nonsens entsprechend aus den Fugen.
Also: Auf Mädels, lasst uns fraulenzen!
Heidi Lexe (1000 und 1 Buch 4|03)
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Wien: Empirieverlag 2003
48 Seiten
€ 19,80
ab 6
Zu einem Porträt Lilly Axster in 1000 und 1
Buch 2|02 
Biografie & Bibliografie Lilly Axster bei Theater
Foxfire 
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