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So schön gelb!
Überwältigend!
Anna Sarvira bringt das Gelb neben dem Blau zum Leuchten.
"Gelb sind Ortseingangsschilder und Klebezettel, das T-Shirt von Charlie Brown und das Gelbe vom Ei, Reclam-Bücher und Tennisbälle. Ortsausgangsschilder. Gouda mittelalt. Familie Simpson."
Weiß Susan Kreller und fragt sich, ob Dichter:innen dieser Farbe auch zugeneigt sind.
"Denkt man an die Ukraine, denkt man an die Farben Blau und Gelb, blau wie der Himmel, gelb wie die Weizenfelder. Denkt man an ukrainische Illustrationskunst, denkt man an PICTORIC."
Ute Wegmann ist beeindruckt vom ukrainischen Illustrator:innen-Kollektiv und spricht mit Anna Sarvira, die bei der Gründung mit dabei war.
"Linke Hand die Werkzeugtasche / Zwanz’gerschlüssel, Thermosflasche". Singt Christina Pfeiffer-Ulm mit Reinhard Mey, spuckt dann in die Hände und macht sich auf die Suche nach Handwerker:innen in der KJL.
"Immer wenn ich ein Kolumnenthema bekomme, gehe ich damit spazieren. Das Kolumnenthema wird von mir durch die Stadt, die Gassen getragen und ein bisschen gerüttelt dabei."
Erzählt Michael Hammerschmid. Diesmal hat sein Spaziergang die Stadt eingefärbt …
Was haben Liebe, Kunst, Angst oder Macht mit Löwen zu tun?
Klaus Nowak hat bei einigen mehr oder weniger wilden Exemplaren nachgefragt.
Was Pippi, Jamie oder das kleine Känguru in der Küche machen, wollte Juliane Zach wissen und ist dabei unter anderem auch auf Frauenmantel und Echten Mannstreu gestoßen.
"Es ist eigentlich genau wie mit dem Stern. Ich hab einen und du nicht. Einfach Pech gehabt."
Martine Letterie lässt in "Kinder mit Stern" zwei Kinder, eines jüdisch, eines nicht, miteinander Schwarzer Peter spielen. Kathrin Wexberg hat dieses und vier weitere Bücher gelesen, die davon erzählen, wie im Nationalsozialismus der Stern zum Symbol und Stigma wurde.
Sonnengelb sind die Lieblingsblumen Vincent van Goghs. Marlene Zöhrer hat Kindersachbücher über den Künstler gelesen.
Gudrun Pausewang hat Jana Berta 1987 durch ein Rapsfeld laufen lassen. Welche Gefahren die Farbe Gelb in der Literatur signalisieren kann, weiß Iris Schmidinger.
Inhalt
Die 1002. Seite
Anna Sarvira
ist Franz Lettner
Sieben dottergelbe Deutschlehrer
Susan Kreller über die Farbe Gelb in der (Kinder-)Lyrik
Eyes on Ukraine
Ute Wegmann über Pictoric und die Illustration in der Ukraine
Bücher aus der und über die Ukraine
über Krieg, Flucht und Atome
Christina Pfeiffer-Ulm über Handwerker:innen als kinder- und jugendliterarische Figuren
denk mal gedichte: Kolumne in gelb
Michael Hammerschmid
Löwen
Gebändigt von Klaus Nowak
Das Gelbe vom Ei
Juliane Zach über Kochbücher für Kinder
Ein Stern als Symbol und Stigma
Kathrin Wexberg über gelbe Sterne in zeitgeschichtlicher KJL
Rapsfeld und Leuchtturm
Iris Schmidinger über gelbe Warnsignale
Zum Geburtstag viel Krüss
Lena Raubaum
Kein Papperlapapp
Die vielsprachige Bilderbuchzeitschrift feiert 10. Geburtstag
"Wie entsteht Design. Erfindungen, die die Menschheit veränderten"
ist zeitlos
Ferdinand von Schirachs "Alexander"
im Blickwechsel
"Einsam" von Britta Teckentrup
wurde in der grund_schule der künste gelesen
Enemies to Friends: Cozy Romance
Eine Kolumne von Christine Lötscher
So schön gelb
Zur Sache von Marlene Zöhrer
Liebe Leserinnen und Leser,
2019 haben wir schwarz gemalt, blau war 1001 Buch 2022, rot gesehen haben Sie 2025 – und jetzt ist Gelb dran. Eine Farbe, die für vieles stehen kann, wie schon Jacob und Wilhelm Grimm in ihrem Wörterbuch dokumentiert haben. Sie zählen zahlreiche Varianten auf – etwa goldgelb, honiggelb, schwefelgelb, wachsgelb, dottergelb, strohgelb, blättergelb, brandgelb, rostgelb, speckgelb oder bleichgelb –, lassen Hans Sachs "du diebin, du yltesbalk, du gelber" schimpfen und einen Minnesänger "gel pringt lieb aus lait" singen. Dass diese Farbe schon früh auch der abwertenden Kennzeichnung diente, belegen "die gelben hüte der bankerottirer" oder "die gelben ringe auf den mänteln der juden". Aus denen die Nationalsozialisten den gelben Stern machten: "Von da an [1. September 1941] war der Judenstern zu tragen, der sechszackige Davidsstern, der Lappen in der gelben Farbe …" Mit diesem Zitat aus Victor Klemperers "LTI" beginnt Kathrin Wexberg ihren Beitrag über gelbe Sterne in zeitgeschichtlicher KJL. Darin analysiert sie sechs Bücher, in denen der "Judenstern" als Symbol der Diskriminierung und Vernichtung literarisch fruchtbar gemacht wird. Es kann nicht oft genug auf derart beeindruckende Bücher verwiesen werden, die unmittelbar klar machen, dass Menschenwürde, Freiheit und Demokratie unverhandelbar sind.
Blau und Gelb sind die Farben der Ukraine – und sie dominieren auch die Website von PICTORIC, einer ukrainischen Illustrator:innenvereinigung, die vor allem in den Jahren seit Beginn des russischen Angriffskrieges 2022 Unglaubliches leistet, wie Ute Wegmann in ihrem Beitrag feststellt. Darin kommt ausgiebig die ukrainische Illustratorin Anna Sarvira zu Wort, eine der Gründer:innen von PICTORIC. Sie hat auch die farbenfrohe und hoffnungsvolle 1002. Seite für dieses gelbe Heft gestaltet. In dem auch Bücher aus der bzw. über die Ukraine, die in deutscher Sprache erhältlich sind, vorgestellt werden. Lesen ermöglicht nicht nur einen anderen Blick auf das kriegsgeplagte Land, es verhindert Vergessen und kann auch Teil solidarischen Handelns sein.
Im Katastrophenfall spielt letzteres oft keine Rolle mehr. Einige von Ihnen werden sich noch an die Lektüre von Gudrun Pausewangs "Die Wolke" (1987 erschienen) erinnern, das davon Zeugnis gibt. Ich spüre seit der Lektüre immer auch ein unangenehmes Ziehen in einer tiefen Region meines Bewusstseins, wenn ich ein Rapsfeld sehe, das so strahlend gelb leuchtet wie jenes, durch das Janna-Berta nach der Katastrophe irrt. Dass Farben in Zusammenhang mit Signalen wichtig sind, wissen auch Kinder: Rot heißt Stopp, Grün heißt gehen, Gelb signalisiert oft Gefahr. Iris Schmidinger untersucht anhand von drei interessanten Romanen, darunter "Die Wolke", wie sich Jugendliteratur entlang gelber Warnsignale lesen lässt.
Auf den Gelben Seiten wurde man nicht gewarnt, vielmehr waren sie eine unverzichtbare Hilfe auf der Suche nach bestimmten Dienstleistungen. Die Recherche im Internet hat jene Branchenbücher, die unter diesem Namen seit etwa 150 Jahren publiziert werden, in der klassischen Form – gedruckt auf gelbem Papier – weitgehend obsolet gemacht. Sucht man Handwerker in der Kinder- und Jugendliteratur, nutzt einem auch das Internet wenig, da hilft nur lesen – oder lesen lassen. Wir haben Christina Pfeiffer-Ulm auf dieses Problem angesetzt. Sie hat herausgefunden, ob der aktuelle Fachkräftemangel sich auch in der KJL bemerkbar macht. Einen überaus eigenwilligen Klempner hat sie im Übrigen in jenem Buch von Susan Kreller gefunden, in dem die gelben Blüten der Kornelkirsche (in Österreich auch Dirndl genannt) den farbenprächtigen Hintergrund abgeben. Susan Kreller, die auch Gedichte schreibt, hat für 1001 Buch der Farbe Gelb in der Lyrik nachgespürt. Und musste überrascht feststellen, dass Dichter:innen sie deutlich seltener einsetzen als etwa grün oder gar gold. "Kommen, wenn sie Gelb tragen, ihre Metaphern nicht richtig zur Geltung, wirken die Reime blasser", fragt sie. Und präsentiert gelbe Fundstücke, die den Befund von Jacob und Wilhelm Grimm bestätigen. Wie von Dirndlblüten durchzogen ist im Übrigen auch die lyrische Kolumne von Michael Hammerschmid, der gelb sieht und schmeckt und spürt. Kurz wird ihm sogar schwindlig, als er an van Gogh denkt. Über den dann an anderer Stelle die schwindelfreie Marlene Zöhrer erzählt, die Kindersachbücher über den Sonnenblumen-Maler gelesen hat.
Währenddessen ist Klaus Nowak in Bilderbüchern auf Löwenjagd gegangen. Er hat zahlreiche Exemplare aufgespürt, sieben davon – von sandgelb bis gelborange – gebändigt. In Sachen Fütterung kann er sich bei Juliane Zach schlau machen: Sie hat das Gelbe vom Ei auf dem Segment der Kinderkochbücher gesucht und tatsächlich inspirierende Titel gefunden. Darin ist nicht nur von Pizza und Nudeln die Rede, sondern auch von Frauenmantel und echtem Mannstreu. Wenn Kinder davon satt werden, wird es auch kleinen Löwen nicht schaden.
Der Rest von dem, was ich Ihnen noch anbieten kann, ist vielleicht an manchen Stellen auch gelb, jedenfalls aber prächtig vielfarbig. Etwa die Geschichten und Gedichte von James Krüss: Vor hundert Jahren wurde der Inseldichter geboren. Lena Raubaum erzählt von einem Nach-Dichter-Workshop in den Hummerbuden Helgolands, dazu gibt es Buchtipps für jene, denen wieder einmal nach einem lyrischen Rendezvous mit Möwen, Trottellummen oder Tölpeln ist. Höre ich da jemanden Papperlapapp rufen? Dann sage ich: Zum Geburtstag alles Gute! Das zweisprachige Bilderbuchmagazin "Papperlapapp" feiert heuer den 10., Karin Hirschberger und Katrin Smejkal berichten, wie es dazu gekommen ist.
Dazu gibt es wie immer zahlreiche Besprechungen interessanter Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt. Lesen Sie nach, was Sie unbedingt lesen sollten. Und kommen Sie dabei gut in den goldgelben Herbst. In der nächsten Ausgabe fragen wir dann, ob wirklich alles glänzt, was Gold ist – oder umgekehrt. Jedenfalls geht es ums Geld.
Bleiben Sie uns gewogen.
Franz Lettner
Gelbe Seiten
Christina Pfeiffer-Ulm über Handwerker:innen als kinder- und jugendliterarische Figuren
Man kann Google befragen, die Telefonnummern auf weißen Kastenwägen inspizieren oder ein E-Ticket ziehen. Ein Anruf und zwölf Absagen genügen, dann ist er auf dem Weg: der Handyman, der Tausendsassa, der Mann für alle Fälle. Ein Handwerker ist stets zur Stelle!
Das wird nicht der letzte schlechte Reim in diesem Beitrag gewesen sein, denn offenbar gehen Handwerk und Vers gut zusammen. Ob das an den entsprechenden Onomatopoetika liegt? Zisch, zisch, zisch … Wie auch immer.
Andere Fragen: Zeigt sich der aktuelle Fachkräftemangel auch in der Kinder- und Jugendliteratur? Sind technische Berufe für Kinder noch attraktiv? Hinkt die Kinderliteratur der Neubewertung von traditionellem Handwerk hinterher? Ich werde diese Fragen im folgenden Beitrag nicht beantworten, aber jenen Figuren auf die Finger schauen, die werkeln, bauen, reparieren; im Dienste anderer. Wie nobel das klingt! Wäre da nicht die Klassenfrage. Wir müssen sie stellen, denn ohne diesen kurzen Umweg kann man über Handwerksfiguren wohl nicht reden.
Jajaja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt Geier Sturzflug: Bruttosozialprodukt, 1983
Die Klassenfrage plakatiert Michèle Minelli im Jugendroman "Keiner bleibt zurück" in einer konkreten Klasse: Kurz vor dem Abschluss erzählen die Schüler:innen einer Schweizer Schule von ihren Zukunftsideen: "Auf der Liste unserer Klasse stehen Berufe wie KV im Reisebüro, Medizinische Praxisassistentin, Detailhandelsfachmann für Autoteile, Polymechaniker, Pferdefachfrau." Diese scheinbar lapidar neutrale Liste trügt, denn an anderer Stelle krachen die Berufswünsche und -möglichkeiten an familiäre Erwartungen: "In seiner Familie hat man einfach zu studieren. Punkt. […] Sie glaubt, nur weil ich mit Technik kann, müsse mir im Sozialen was fehlen. Sie schaut die falschen Filme."
Manche Figuren in Michèle Minellis Jugendroman kommentieren eine (technische) Lehre bisweilen als Notlösung für jene, denen intellektuelle Berufe verwehrt bleiben. Der Roman lässt die Jugendlichen gegen solche Zuschreibungen aufbegehren; macht damit aber auch eine Wertung sichtbar, die sich in der aktuellen Jugendliteratur tendenziell zeigt.
Überlegen wir ad hoc: Wie viele Protagonist:innen in Coming-of-Age-Romanen fallen uns ein, die ein Handwerk lernen? Die als Maurer arbeiten? Als Elektrikerin? Protagonist:innen, die nach der Schulpflicht nicht weiter in die Schule gehen, die nicht studieren werden, die keinen intellektuellen (oder künstlerischen) Weg einschlagen wollen oder können?
…
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Aktuelle Neuerscheinungen
Folgende Titel werden in dieser Ausgabe von 1001 Buch besprochen:
Adbåge: Wild
AJuM der GEW: Lyrik für Kinder, Jugendliche und andere Leute
Bansch: Das Glück ist ein Punkt
Bjerkleland: Ungeheuer
Bravo: Das tapfere Prinzlein und die sieben Zwergbären | Die sieben Zwergbären und der große Hunger
Damm: Agathe
Damm: Da ist besetzt!
Damm: Regenwurmtage
Egger: Vielleicht im Sommer
Elliot & Lacroix: Erkunde den Ozean in diesem Buch
Fehr & Müller: Anleitung für alles
Floca & Smith: Mit dem Sturm um die Wette rennen
Fosse & Düzakin: Kant oder Was ist hinter dem Weltraum?
Frauhammer & Weikert: Wer bestimmt hier was?
Gecko Kinderzeitschrift Nr. 112. Wachsen
Graf & Vieweg: Einfach Sunny
Hardach: Noa im Nachtgebirge
Hau & Dreis: Obacht!
Hinckley & Zakharova: Geniales Innenleben
Huemer, Maibäur, Seibert: "Der Dachs schreibt hier bei Kerzenlicht". Zum Erzählkosmos von Erwin Moser
Huppertz: Tage mit B
Janisch & Vögeli: Was, wenn ich mich entziehe
Jeffrey & Bittencourt: Sind Bienen kleine Superhelden?
Sind Wale klüger als Menschen?
Kaspar: Urlaub bei Opa oder die spannendsten Ferien überhaupt
Kelly: Jetzt ist die beste Zeit von allen
Kim: Schnecke
Kranenburg & Busch: Freunde
Lutz: Q-R-T
Mawil: Pizza!
Mohl u.a.: Gedi, Geda, Gedichte
Mun: Langer Atem
Musavi: Girls like me
O’Donoghue: Skipshock
Pelcl, Šeborová & Franta: Wie entsteht Design
Pin: Die gelben Gummistiefel
Poferl: Das große Buch der Namen
Poliquin & Hanmer: Die Drüsenfabrik
Putensen & Haas: Paula Modersohn-Becker
Raidt: Klassenbuch
Roher: Zu Fuß
Schaap: Eliza und der Ruf der Schwäne
Schärer: Lange Schlange stehen
Scharmacher-Schreiber & Marian: Hier entsteht die Stadt von morgen!
Schöbitz: Meine Erinnerungskiste
Schoeters & Dendooven: Nichts, wirklich nichts?
Schwarz & Kawamura: Hör mir mal zu!
Schwenke: Drifting
Selznick: Run away with me
Soraya: Wind in meinem Kopftuch
Stavarič & Brönner: Tierisch wilde Schlafmützen
Taylor: Daughter of Smoke & Bone
von Schirach: Alexander
Watson & Denis: Gibt es Leben im Weltall? | Können Bäume miteinander sprechen? | Wie wird KI die Welt verändern?
Watson & Morales: Können Vulkane den Mond blau färben?
Williams: The Sleepless
Wirbeleit & Fischels: Kiste
Wirlinger & Möltgen: Runa und die Nebelwanderer
Wolter: Du bist mein Anfang
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